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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 29.06.2009

Klöckner & Co.: Wette auf den Aufschwung

Klöckner & Co.: Wette auf den Aufschwung

Mit Klöckner & Co. haben wir zuletzt einen ausgesprochen konjunkturabhängigen Wert in unser Langfristdepot aufgenommen und uns damit für den Fall einer mittelfristigen wirtschaftlichen Erholung positioniert, deren Wahrscheinlichkeit derzeit noch von der Mehrheit der Beobachter als gering eingeschätzt wird. Gerade diese weit verbreitete Skepsis dürfte im Fall der Fälle dafür sorgen, dass viele gerade in Bezug auf zyklische Werte auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Andererseits halten wir das Rückschlagspotenzial für begrenzt. Auch wenn die Klöckner-Aktie seit ihrem Tief im März bereits 170 % zugelegt hat, notiert sie doch weit unter den früheren Höchstständen. Zudem konnte das Unternehmen mit schnellen und konsequenten Kostensenkungs- und Umschuldungsmaßnahmen inzwischen Befürchtungen bezüglich der nachhaltigen Profitabilität und Finanzierung vorbeugen.

Marktführung in Europa und Amerika

Doch zunächst zu den Hard-Facts: Bei Klöckner handelt es sich um den größten produzentenunabhängigen Stahl- und Metalldistributor in Europa und Nordamerika, der sich als ein Bindeglied zwischen den Herstellern und den überwiegend kleinen und mittelgroßen Stahl- und Metallverbrauchern sieht. Kern des Geschäftskonzepts stellt ein dichtes Lager- und Logistiknetz dar, das eine kurzfristige Belieferung mit den unterschiedlichsten Produkten, von Stahlträgern, über Flachprodukte (Bleche) bis zu Aluminiumprofilen und Rundstählen ermöglicht. In Summe werden über 200.000 Produkte geführt. Insgesamt ist der Duisburger Konzern mit seinen 10.000 Mitarbeitern an 260 Standorten in 15 Ländern aktiv. Die Kundenkartei umfasst 185.000 Unternehmen, mit einem Schwerpunkt in den Branchen Bauwirtschaft sowie Maschinen- und Anlagenbau. Durch ihre Größe und die Herstellerunabhängigkeit sind die Duisburger dabei in der Lage, den Einkauf flexibel zu gestalten und sich so gute Konditionen zu sichern, die relativ komfortable Margen ermöglichen.

Rekordjagd bis 2008

Als ein großer Player auf dem Stahlmarkt hat der Traditionskonzern, dessen Wurzeln trotz der erst dreijährigen Börsenpäsenz bis zum Anfang des letzten Jahrhunderts zurückreichen, naturgemäß sehr stark vom jüngsten Boom des Stahlsektors profitiert. So konnte das MDax-Mitglied den Umsatz allein zwischen 2006 und 2008 um fast ein Viertel auf 6,75 Mrd. Euro steigern, das Ergebnis pro Aktie erhöhte sich im selben Zeitraum sogar um über 80 % auf 8,26 Euro. Bemerkenswerterweise ist der mengenmäßige Absatz in diesen drei Jahren sogar zurückgegangen, von 6,13 auf 5,97 Mio. Tonnen, was die Bedeutung der Preisentwicklung unterstreicht. Und diese kannte gerade im ersten Halbjahr 2008 nur eine Richtung: steil nach oben. So hatte sich beispielsweise der Preis für Flachstahl in den USA zwischen Januar und Juli mehr als verdoppelt. Für einen Distributor mit eigener Lagerhaltung gleicht eine solche Phase einem Gewinnturbo, der allerdings bei drehendem Trend entsprechend schnell auch in die andere Richtung wirkt.

Massiver Einbruch ab dem vierten Quartal

So geschehen im vierten Quartal, als die Stahlnotierungen in kürzester Frist ihre gesamten Gewinne seit Jahresanfang abgaben und teilweise sogar unter die Ausgangswerte rutschten. Dies bedingte einen Umsatzrückgang um 6,7 %, das Quartals-EBIT rutschte mit -152 Mio. Euro in die Verlustzone. Diese Entwicklung setzte sich zu Jahresbeginn fort: Zwischen Januar und März sind die Einnahmen im Vorjahresvergleich um 34 % auf 1,1 Mrd. Euro eingebrochen und beim operativen Ergebnis hat sich der Fehlbetrag aus dem vierten Quartal 2008 wiederholt.

Allerdings konnte das Unternehmen auf mehreren zentralen Feldern rasch und entschieden gegen die Marktschwäche ansteuern und damit ihre Auswirkungen in Grenzen halten. Dazu gehörte beispielsweise der bereits im Oktober gefasste und inzwischen zu zwei Dritteln umgesetzte Entschluss, die Belegschaft weltweit um bis zu 15 % zu reduzieren. Ferner wurde das Working Capital durch einen Vorratsabbau massiv heruntergefahren, durch die Freisetzung der Mittel blieb der operative Cashflow im ersten Quartal sogar deutlich positiv. Da gleichzeitig die Nettofinanzverbindlichkeiten von 571 Mio. Euro zum Jahresende auf rund 270 Mio. Euro mehr als halbiert und die Kreditbedingungen für die bestehenden Kreditlinien verlängert und flexibler ausgestaltet wurden, sieht sich Klöckner nicht nur gut gerüstet, um die Krise zu überstehen, sondern auch, um mit den ersten Erholungstendenzen die im Oktober proaktiv ausgesetzte Akquisitionsstrategie wieder aufzunehmen.

Fazit

Ungeachtet aller eingeleiteten Maßnahmen wird der weitere Erfolg von Klöckner aber eindeutig von den Preis- und Mengenbewegungen auf dem Stahlmarkt determiniert. Auch wenn es zu Beginn des zweiten Quartals Unternehmensangaben zufolge bereits erste Lichtblicke gegeben hat, sind die kurzfristigen Perspektiven damit noch sehr unsicher. Insofern ist Klöckner derzeit nur für diejenigen interessant, die wie wir glauben, dass die massiven staatlichen Konjunkturhilfen ihre Wirkung nicht verfehlen oder für diejenigen, die genug Geduld mitbringen, um eine doch längere Schwächephase auszusitzen.

Für den Inhalt dieses Artikels ist die Redaktion des Performaxx-Anlegerbriefs verantwortlich. Der Performaxx-Anlegerbrief zählt mit einer Musterdepotperformance von über 654 % seit 1.1.2001 zu Deutschlands erfolgreichsten Börsenbriefen.

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