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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 07.12.2009

ItN Nanovation: Eine zweite Chance

ItN Nanovation: Eine zweite Chance

Die Saarbrücker Gesellschaft wurde im Jahr 2000 gegründet und gehört hier zu Lande zu den Pionieren der Nanotechnologie. Ihre Kernkompetenz betrifft die nanotechnologisch optimierte Herstellung von Hochleistungskeramiken, die derzeit vor allem in zwei Anwendungsrichtungen zum Einsatz kommen: in Systemen zur Wasserfiltrierung sowie in Beschichtungen für Brenn- und Abgassysteme.

Doch obwohl damit sehr attraktive Märkte adressiert werden, hat die Aktie den Börsianern bislang keine Freude bereitet. Zu 20 Euro im Juli 2006 emittiert, erklomm das Papier in kürzester Zeit das bisherige All-Time-High bei 28 Euro, um danach bis auf 0,50 Euro vor einem Jahr zu fallen. Ausgelöst wurde der drastische Verfall durch operative Probleme, die sich Ende 2008 zu einer existenzbedrohenden Krise zuspitzten, die erst durch einen harten Sanierungskurs und einen Wechsel des Geschäftsmodells überwunden werden konnte. Inzwischen ist die Gesellschaft stabilisiert und steht vor einem Neubeginn, so dass die Aktie wieder ein attraktives Chance-Risiko-Profil bietet.

 
Revolutionäre Technologie

Denn die Technologie des Unternehmens ist nach wie vor äußerst potenzialträchtig und könnte die adressierten Märkte revolutionieren. Im Kern beherrschen die Saarländer die Herstellung von äußerst homogenen Partikeln in Nanometer-Größe, aus denen äußerst regelmäßige und robuste Keramiken gebrannt werden können. So ist ItN in der Lage, auf Basis solcher Nanoteilchen keramische Wasserfilter herzustellen, deren Durchflussdurchmesser derart klein skaliert werden können, dass sie ausschließlich Wassermoleküle durchlassen. Da damit bereits ein Klärdurchfluss genügt, bietet das Verfahren enorme Vorteile gegenüber herkömmlichen mehrstufigen Kläranlagen. Die zweite Anwendung betrifft die Beschichtung von Brennkammern und Abgassystemen großindustrieller Kraftwerke. Damit wird das Anhaften von Verbrennungsrückständen an den Wänden verhindert, so dass die sonst üblichen Betriebsunterbrechungen zu Reinigungszwecken (die jedes Mal Millionenkosten verursachen) überflüssig werden.


Konzentration aufs Kerngeschäft

Obwohl die Innovation angesichts der damit verbundenen Vorteile an sich ein Selbstläufer sein müsste, ist die bisherige Vermarktungsstrategie gescheitert. Diese basierte auf dem Ansatz, alles aus einer Hand anzubieten. Insbesondere im Filtersegment, wo ItN beispielsweise komplette Kläranlagen auf Basis der eigenen Technologie entwickelte und vertrieb, stellte diese Vorgehensweise enorme Anforderungen an die finanziellen und personellen Ressourcen wie auch an das Projektmanagement. Als dann letztes Jahr bei der Abwicklung eines Großauftrags aus Dubai projektspezifische Verzögerungen und Finanzierungsengpässe infolge der Finanzkrise zusammentrafen, stand das Unternehmen unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit.

Erst ein drastischer Kurswechsel, verbunden mit der Einsetzung einer neuen Führung, der Veräußerung eines Geschäftsbereiches (Beschichtung von Backöfen) und einer Fabrik sowie mehreren Kapitalmaßnahmen, brachte eine Stabilisierung. Als Lehre aus diesen Ereignissen will sich die Gesellschaft nun auf die Vermarktung der eigenen Kernkompetenz, des Know-hows zur Herstellung der Nano-Keramiken, beschränken und die konkreten Anwendungen mit Partnern entwickeln. Diese sollen auch die Produktion vor Ort übernehmen, ItN selbst wird nur noch die Nanopartikel selbst produzieren und liefern. Nach neusten Angaben befindet sich die Gesellschaft bereits in aussichtsreichen Verhandlungen für vier solcher Joint-Ventures, darunter eines in Nordamerika mit dem Fokus auf die Öl-Wasser-Trennung beim Ölsandabbau.  

Kosten massiv gesenkt

Begleitet wurde die Neuausrichtung von massiven Kostensenkungen, die sich allein im laufenden Jahr auf 7 Mio. Euro belaufen sollen. So lagen nach neun Monaten die Personalaufwendungen rund ein Drittel und die sonstigen Kosten sogar fast 60 % unter dem Vorjahr. Nichtsdestotrotz betrug der Verlust Ende September noch 4,2 Mio. Euro, zwar nur noch die Hälfte des Vorjahreswertes, doch noch immer 127 % des Umsatzes. Das Management zeigt sich aber zuversichtlich, dass das Ergebnis, das dieses Jahr noch durch die Restrukturierungsaufwendungen (z.B. Abfindungen) belastet wurde, in 2010 deutlich besser ausfällt. Dass es hierbei das Vertrauen seiner Anteilseigner genießt, verdeutlichen nicht zuletzt die drei dieses Jahr erfolgreich durchgeführten Kapitalerhöhungen, die allesamt schnell und problemlos platziert werden konnten, teilweise mit hoher Überzeichnung. Auch haben die beiden Großaktionäre, die Beteiligungsgesellschaft Nanostart und die Familie Stoll, im Zuge der Sanierung ihre Anteile erhöht.

Fazit

Und da durch die Aktienausgabe sowie durch die Veräußerung einer Fabrik und eines Geschäftsbereiches (an Bosch und Siemens Hausgeräte) inzwischen auch die Liquiditätslage deutlich entspannter ist, verfügt ItN nun über die nötige Atempause, um das neue Geschäftsmodell zu etablieren. Nach jüngsten Meldungen stehen die Erfolgschancen nicht schlecht, auch wenn die aktuellen Turbulenzen um Dubai einen wichtigen Zielmarkt der Saarländer tangieren. Nichtsdestotrotz scheint die Technologie, die übrigens seit diesem Jahr erstmals auch in einer kommunalen Kläranlage in Deutschland ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellt, derart aussichtsreich, dass wir die mittelfristigen Chancen deutlich höher als die Risken einstufen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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