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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Spiegel" am 07.09.2009

Hochgrad-Exploration in Brasilien

Hochgrad-Exploration in Brasilien

Historisch interessierten Zeitgenossen ist der Koloss von Rhodos wohl ein Begriff, ein Weltwunder der Antike, eine legendäre architektonische Meisterleistung. Colossus Minerals hat ebenfalls Außergewöhnliches zu bieten – sensationell hohe Gehalte an Gold-PGM-Mineralisierung. Das kanadische Unternehmen besitzt drei Projekte in Brasilien (Serra Pelada, Natividade und Rio Cristalino), Flaggschiff ist aber das ca. 100 ha große Serra Pelada Gold-PGM-Projekt im Bundesstaat Pará, 90 km südöstlich von Marabá.

Serra Pelade hebt sich mit Bohrergebnissen wie 27,9 m mit 35,49 g/t Gold, 19,89 g/t Platin und 25,14 g/t Palladium klar von der Masse der Explorer ab. Bevor wir uns aber diesem hochinteressanten Unternehmen zuwenden, noch einige Infos über den Bergbau in Brasilien. Brasilien nimmt bei einigen Mineralien eine weltweit führende Stellung ein, so z.B. bei Bauxit (Rang 3), Eisenerz (Rang 2), Mangan (Rang 2), Niob (Rang 1) und Tantal (Rang 2). Dennoch trug die Bergbauindustrie 2007 nur 3% zum BIP bei. Vom gesamten Handelsüberschuss in Höhe von 40 Mrd. USD stammen aber 8,9 Mrd. USD aus dem Mineraliensektor. In den letzten Jahren stieg die Produktion einiger Rohstoffe zum Teil beträchtlich an (Quelle: USGS Minerals Yearbook 2007). An Kupfer produzierte das Land 2007 205.728 t (+11% ggü. Vorjahr), der Goldausstoß betrug im gleichen Jahr 49,6 t (+15,1%), Eisenerz 354,7 Mio. t (+11,6%). Zu den bedeutendsten Bergbauunternehmen gehören VALE, Yamana Gold und AngloGold Ashanti. Das Ressourcenpotential Brasiliens ist gewaltig – besonders auch im nördlichen Bundesstaat Parà – und seitens der Regierung ist man offen für private Investitionen. Bergbauunternehmen können bis zu 100% an privatisierten bzw. erworbenen Projekten halten. Colossus Minerals hat sich von den bekannten Projekten eine absolute Perle gesichert – Serra Pelada.


Rückblick

Aufgrund der Lage im Norden des brasilianischen Bundesstaates Parà war an eine moderne Exploration bis in die 1960er Jahre nicht zu denken. Erste Arbeiten führte Codim, ein Tochterunternehmen von Union Carbide, durch. Sie gipfelten 1966 in der Entdeckung der Sereno Manganlagerstätte nahe Serra Pelada. Die Entdeckung weckte das Interesse von US Steel an der Region und man stieß im Juli 1967 auf große Eisenerzvorkommen. US Steel wollte die ganze Gegend um Eldorado dos Carajás umfänglich untersuchen, traf aber auf Widerstand der Regierung. Stattdessen schuf die Regierung ein Jointventure-Unternehmen (AMZA), das zu 51% CVRD (Companhia Vale do Rio Doce, heute VALE, brasilianischer Bergbaukonzern) und zu 49% CMM, einer Tochter von US Steel, gehörte. Im September 1974 erhielt AMZA die Rechte an sämtlichen Eisenerzvorkommen in der Carajás Region. Wenig später zog sich CMM wegen zu hoher erwarteter Kosten zurück und überließ CVRD seine Anteile. CVRD entwickelte das Carajás- Eisenerzprojekt mit 3 Mrd. USD und betreibt es noch heute. Die riesige offene Grube liegt ca. 50 km südwestlich von Serra Pelada. 1979 schließlich fand ein Bauer zufällig Gold auf dem Gebiet (zur Information: Oberflächenrechte und unterirdische Mineralrechte sind getrennt), das man später Serra Pelada nannte. Urplötzlich begann ein gewaltiger Goldrausch, der tausende Menschen anzog. Der Regierung bliebt nichts anderes übrig, als das Goldschürfen zu legalisieren. Sie trennte ein ca. 100 ha großes Gebiet aus dem ganzen Areal ab und bezeichnete es als Explorationslizenz 1485. Bis Mai 1980 waren die ersten Claims von je 2 x 3 m Größe (!) vergeben. Schnell wurden es mehr und im Hoch arbeiten 80.000 Goldschürfer in der Grube, ohne moderne Technik wohlgemerkt! Das Bild glich einem Ameisenhaufen. 1988 schließlich brach eine Grubenwand ein und der Abbau wurde eingestellt. Nach offiziellen Schätzungen holten die Goldschürfer 1,04 Mio. oz Gold aus dem Tagebau, inoffiziell sogar 2,2 Mio. oz. Darunter befand sich auch der mit 60,82 kg schwerste, je in Brasilien gefundene Goldnugget.


Historische Exploration

Noch während des Goldrauschs führte CVRD Explorationsbohrungen durch. Zunächst 48 Löcher auf dem Gebiet, wo anschließend die Grube entstand. Insgesamt bohrte CVRD bis 1998 über 200 Löcher, wovon auf Lizenz 1485 195 Löcher über 50.891,81 m Kernlänge niedergebracht wurden. Einige wiesen außerordentliche Gehalte auf, z.B. enthielt Loch FD-32 43 m mit 3.785 g/t Gold, 200 g/t Platin und 1.150 g/t Palladium, darin 15 m mit 7.800 g/t Gold, 460 g/t Platin und 2.700 g/t Palladium. Eine erneute Untersuchung des Kerns in 2002 erbrachte über die 43 m 4.709 g/t Gold, 204 g/t Platin und 1.174 g/t Palladium. Noch während CVRD bohrte, entschied die Regierung 1990, dass COOMIGASP (Cooperativa de Mineração dos Garimpeiros de Serra Pelada, Bergbaukooperative der Goldschürfer von Serra Pelada) den Titel erhalten könne, wenn sich die Aktionäre bei der Regierung registrieren. Im März 2007 erhielt COOMIGASP endlich den Titel.


Colossus-COOMIGASP Jointventure

Im Juli 2007 schlossen Colossus Brazil, die Tochtergesellschaft von Colossus Minerals, und COOMIGASP einen Vertrag, der Colossus eine Beteiligungsmöglichkeit von bis zu 75% an Serra Pelada einräumt. 51% am Projekt erhielt Colossus im April 2009, nachdem man 6 Mio. Real investiert hatte. Investitionen von weiteren 12 Mio. Real werden den Anteil noch in 2009 auf 75% erhöhen. Beide Partner haben außerdem vereinbart, dass Colossus von den definierten Goldreserven abhängige Zahlungen leistet, die zwischen 40,8 Mio. Real (aktuell ca. 15 Mio. €) für 20 t Gold und 817,5 Mio. Real (aktuell ca. 300 Mio. €) für mindestens 550 t Gold liegen. Manager das Projekts ist Colossus, die historischen Abraumbecken verblieben zu 100% bei COOMIGASP.


Exploration durch Colossus

Colossus erwarb als erstes die historischen Bohrkerne und weitere Daten und führte umfangreiche Neuauswertungen durch. Neuauswertungen historischer Kerne finden Sie unter http://www.colossusminerals.com/investors/news_releases/index.php?&content_id=15. Dem schloss sich ein Phase-1-Bohrprogramm über 5.129 m in 2008 an. Zu den Höhepunkten hier zählen die Löcher:

• SPD-001: 77,30 m mit 7,39 g/t Gold, 14,49 g/t Platin und 15,19g/t Palladium
• SPD-002: 48,25 m mit 30,57 g/t Gold, 10,96 g/t Platin und 15,38 g/t Palladium
• SPD-007: 25,80 m mit 11,66 g/t Gold, 12,07 g/t Platin und 18,34 g/t Palladium
• SPD-018: 44,00 m mit 27,32 g/t Gold, 1,90 g/t Platin und 3,25 g/t Palladium


Hinzu kamen Spuren an Rhodium, Iridium, Osmium und Ruthenium. Das Phase-2-Programm schließt Bohrungen über 10.000 m (seit Januar 2009), geotechnische und metallurgische Arbeiten und erste Umweltstudien ein. Am 4. Juni und 3. September 2009 wurden Ergebnisse dieses Bohrprogramms veröffentlicht. Höhepunkte waren:

• SPD-020A: 27,9 m mit 35,49 g/t Gold, 19,89 g/t Platin und 25,14 g/t Palladium
• SPD-021: 17,8 m mit 16,15 g/t Gold, 1,69 g/t Platin und 2,7 g/t Palladium
• SPC-012: 4,15 m mit 8,04 g/t Gold, 154,5 g/t Platin und 245,8 g/t Palladium

Da das Programm noch läuft, werden fortlaufend weitere Ergebnisse berichtet.


Zugang und Infrastruktur

Durch die zahlreichen Mineralienfunde in der Mineralprovinz Carajás kam es zu massiven Investitionen in die Minenindustrie. Das Carajás- Bergbau- und Industriegebiet umfasst eine Landmasse, die 80% der Größe Frankreichs entspricht. Hier wurden bisher ca. 62 Mrd. USD investiert. Serra Pelada selber ist nur ca. 30 km von einer Hauptstraße entfernt, bis dorthin führt eine gute Schotterstraße. Eine Stromleitung führt schon über das Projekt, VALE hat außerdem noch eine neue Starkstromleitung für die Versorgung seiner großen Eisenerzminen gebaut. Qualifiziertes Personal ist in der Gegend ebenfalls kein Problem.


Ressourcen

Im NI 43-101 Bericht von 2007 wird ausgesagt, dass es historische Schätzungen gibt, diese also nicht NI 43-101 entsprechen. Eine Schätzung von Maireles (1988) weist 860.000 oz Gold in Tiefen zwischen 150 m und 230 m unter der Grube aus. Eine in 2006 an das brasilianische Bergbauministerium übermittelte Schätzung entsprach ebenfalls nicht den internationalen Standards. Colossus wird voraussichtlich im 2. Quartal 2010 seine erste eigene NI 43-101 Schätzung veröffentlichen. Der Fortschritt hier hängt auch wesentlich vom Bau einer Rampe und den Untergrundbohrungen ab. Die bisherigen Oberflächen- Bohrergebnisse deuten aber auf eine wesentliche Erhöhung der Schätzung von 1988 hin. Man kann das Potential erahnen, wenn man sich das geologische Modell mit den verfügbaren Daten ansieht. Die Strichellinie markiert die historische Grube, die Blöcke in gelb stellen Goldmineralisierung dar. Zudem zieht sich die Mineralisierung weiter nach Südwesten hin (außerhalb des Konzessionsgebiets).


Bewertung

Eine Bewertung von Colossus ist wegen der fehlenden Ressourcenschätzungen schwierig, doch sticht das Unternehmen durch die extrem hohen Gehalte an Edelmetallen hervor. Die Größe der Lagerstätte ist zwar noch unbekannt, man kann aber davon ausgehen, dass ein Minenbetrieb von Serra Pelada außerordentlich profitabel sein wird. Aufschluss darüber wird die NI 43-101 Schätzung liefern. Realistisch erscheint zur Zeit eine Ressource von ca. 2 Mio. oz Gold plus PGM Metalle. Leider liegen keine historischen Daten über die Menge des gewonnenen Platins und Palladiums vor, so dass man auch hier schätzen muss. Die Gehalte an PGM sind sehr unterschiedlich – sie reichen von wenigen Gramm bei gleichzeitig zweistelligen Goldgehalten bis zu Gehalten, die deutlich über denen des Goldes liegen. Aus Gründen der Vorsicht gehe ich von 20% PGM Metallen (Verhältnis Platin/Palladium hierbei 1:2 angenommen) aus. Bei 2 Mio. oz Gold hätte die Lagerstätte also zusätzlich 400.000 oz PGM und diese teilten sich in 133.333 oz Platin und 266.666 oz Palladium. Der Wert der Metalle entspricht ca. 2/3 des Wertes vom Gold. Ein üblicher Wertansatz von 100 USD je oz Gold bei durchschnittlichem Goldgehalt und 66,6 USD (2/3 des Goldes) für die PGM gäbe der Lagerstätte einen Wert von 227 Mio. USD. Colossus hält maximal 75%, also 170 Mio. USD (119 Mio. EUR bzw. 2,06 EUR je Aktie). Aufgrund der außerordentlich hochgradigen Unzen, die eine extrem hohe Gewinnmarge versprechen, ist ein Ansatz von 200 USD je Unze aktuell mehr als gerechtfertigt. Daraus ergibt sich gegenwärtig ein fairer Wert von gut 4 EUR je unverwässerter Aktie.


Fazit

Serra Pelada erlebte in den 1980er einen sagenhaften Goldrausch und Colossus schickt sich jetzt an, diese Geschichte fortzuschreiben. Die bisher veröffentlichten Bohrergebnisse lassen einen jeden Goldbug verwundert die Augen reiben. Das Projekt mit seinen Gehalten, dazu noch die sehr günstige Lage und Infrastruktur, sprechen für einen extrem profitablen Minenbetrieb. Durch den Misch-Charakter des Erzes kann Colossus sogar Marktschwankungen ausgleichen. Ein großer Vorteil ist auch die Aktionärstruktur. Sprott Asset Management hält ca. 20%, Pinetree Capital ca. 10% und Rosseau Asset Management und weitere Institutionen 20%. Insider halten ebenfalls ca. 19%. Aufgrund der im Geld befindlichen Optionen und Warrants wird es auf absehbare Zeit auch keine Kapitalerhöhungen geben, Colossus Aktien werden also knapp blieben. Mit weiteren Bohrergebnissen werden auch die Großen der Branche auf diese Unternehmen aufmerksam werden und ihre Fühler ausstrecken. Als Aktionär können Sie sich an einem Unternehmen beteiligen, das geringes Abwärtsrisiko und große Chancen verbindet!


Über den Autor:

Der studierte Dipl. Kaufmann Jan Kneist beschäftigt sich seit 1994 mit den Edelmetallmärkten und analysiert seit einigen Jahren Minenunternehmen. Sein Spezialgebiet sind kanadische Explorationsunternehmen.


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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