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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Spiegel" am 12.06.2010

Gold ist nicht zu bremsen

Gold ist nicht zu bremsen

Gold war in den letzten Wochen kaum zu bremsen und stellte bei 1252 $ ein neues Allzeit-Hoch auf und trotz immer wiederkehrender, vorübergehender Einbrüche notiert es weiter sehr hoch, untypisch für diese Jahreszeit! Und noch etwas ist bemerkenswert: Gold und eingeschränkt Silber steigen, während die Basismetalle schon Schwäche zeigen. Was sagt uns das jetzt? Entweder ein grosser Abverkauf steht bevor oder wir werden gerade Zeugen einer neuen Eskalationsstufe. Ich tendiere zum zweiten und das wird von einer ganzen Reihe Nachrichten untermauert. Besonders prekär ist, dass sich eine neue europäische Bankenkrise anbahnt.

Besonders akut scheint die Lage in Spanien, wo kürzlich Josef Ackermann ein privates Treffen mit Ministerpräsident Zapatero abhielt. Kurze Zeit später musste die spanische CajaSur Bankrott anmelden und wurde von der spanischen ZB übernommen. In Spanien droht eine Welle an Pleiten, was jedem sofort augenscheinlich wird, der die tausenden leer stehenden Investitionsruinen herumstehen sieht. Dementsprechend schrieb die FTD, dass Spanien Kredite aus dem 750 Mrd. € Rettungsschirm für seine Sparkassen erhalten solle. Es ist hier wohl nur noch eine Frage von Tagen oder wenigen Wochen. Im spanischen Bankenmarkt selber können besonders die schwächeren Banken kaum noch Kredite erhalten und wenn doch, dann nur gegen „erstklassige“ Sicherheiten wie deutsche Bundesanleihen. Eine Randbemerkung hierzu: Ihnen ist vielleicht nicht entgangen, dass der Bund-Future ein Hoch nach dem anderen macht. Für Anleger ist es nur rational, in Papiere mit hohem Beleihungswert zu investieren, weswegen sich die Renditespreads wieder deutlich vergrössern. Und noch kann man auch mit spanischen und griechischen Euros Bundesanleihen kaufen und damit schlechtes Geld in besseres wandeln! Wie lange noch? Durch die sinkenden deutschen Zinsen (diese Bewegung wird sie gen NULL treiben) vergrössert sich leider auch der Druck auf Deutschland, noch mehr Geld dem Club Med günstig bereitzustellen. Aber zurück zu Spanien. Verglichen mit Spanien ist Griechenland ein Zwerg. Die Neuverschuldung lag letztes Jahr bei über 11% des BIP, die Gesamtverschuldung bei 53%. Noch steht Spanien „gut“ da, holt jetzt aber rasant auf und steht ökonomisch aufgrund der totalen überschuldung der Privathaushalte vor dem Abgrund. Verglichen mit Spanien ist die US-Hypothekenblase ein laues Lüftchen. Man kann sich getrost auf weitere hunderte Milliarden € einstellen, die nach Spanien fliessen werden. Ein weiteres Land sorgte für Aufsehen – Japan. Der neue Ministerpräsident Naoto Kann warnte vor einer Schuldenkrise wie in Griechenland und vor dem Bankrott seines Landes. Mit über 200% Schulden, bis 2014 auf 246 % ansteigend, ist der Zug längst abgefahren. Man fragt sich, warum japanische Anleihen noch nicht längst eingebrochen sind. Hier zieht ein Desaster auf, das den Club Med marginal erscheinen lassen wird. Aber kommen wir zum anfangs erwähnten Gold-Phänomen zurück. Es sieht so aus, als jetzt der Punkt erreicht ist, wo von einigen Investoren nur noch Gold als Vermögensspeicher anerkannt wird. Auf diesen Moment haben wir lange gewartet. Was mit der Konjunktur passiert, liegt im Nebel, wahrscheinlich ist ein weiterer Rückgang. An der Schuldenkrise ändert das nichts, weswegen Sie auf keinen Fall gegen Gold wetten sollten. Das ist sowieso einer der grössten Fehler, in einem primären Bullenmarkt ständig Korrekturen traden zu wollen und damit immer wieder Geld zu vernichten. Anders sieht es bei den Basismetallen aus, die Sie eher meiden sollten, zumindest so lange, wie die Inflation nicht wirklich ins Laufen kommt. Für Gold spricht auch eine weitere Tatsache, die wenig kommentiert wurde. Der Iran hat angekündigt, Währungsreserven im Umfang von 45 Mrd. € in USDollar und Gold tauschen zu wollen. Aufgrund bekannter Affinitäten wird der Dollaranteil wohl der geringere sein. Sollten tatsächlich 30 Mrd. € (heute ca. 36 Mrd. USD) in Gold fliessen, dann entspricht das über einem Drittel der jährlichen Minenproduktion. Aber vielleicht muss ja noch vorher das Land „befreit“ werden. Also Gold weiter long bleiben. Auch Silber sieht fundamental sehr gut aus, wenngleich es zuletzt dem Gold nachhing. Warum? Im aktuellen Morgan Report finden sich interessante Fakten. Laut World Silver Survey 2010 wurden 2009 140 Mio.oz Silber zu Anlagezwecken gekauft, so viel wie seit 20 Jahren nicht. Rückgänge bei der Industrie- und Schmucknachfrage wurde überkompensiert. 800 Mio. oz stünden in 1000 oz- Barren zur Verfügung, ca. 400 Mio. oz liegen schon in den weiter wachsenden ETFÅLs. Geht der www.rohstoff-spiegel.de - 15 - 5. Jahrgang | 12.06.10 - Ausgabe 12/2010 R U N D U M S C H L A G physische Absatz weiter rasant voran, dann kann die physische Nachfrage zu diesen Preisen nicht mehr befriedigt werden und Silber muss massiv anziehen. Das war auch eine gute überleitung zum letzten Punkt für heute, denn einige Marktteilnehmer fürchten sich gerade vor einem Einbruch der Edelmetalle. Und hier kommt mal wieder das leidige Thema Inflation-Deflation zur Sprache. Sicherlich gibt es Argumente, die für eine deflatorische Entwicklung sprechen, wie die beschlossenen Sparprogramme und damit ein einhergehender Wirtschaftseinbruch, möglicherweise absackende Aktienbörsen oder schlicht und einfach Angstsparen. Doch vergegenwärtigen Sie sich, dass die Bond-Blase vor dem Platzen ist und dass bei den Leuten ein Gefühl der Unsicherheit entstanden ist, das mit den täglichen Hiobsbotschaften nicht mehr verschwinden wird. Das Papiergeld ist NICHT sicher. Billionen $ und € sind in Bonds, Spar- und Termineinlagen etc. investiert, die jederzeit auf den Markt drängen können und eine gewaltige Inflation lostreten werden. Der starke Goldpreis zeigt an, dass diese Bewegung langsam beginnt.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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