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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 26.07.2010

Gerry Weber: Die graue Maus wird flügge

Gerry Weber: Die graue Maus wird flügge

Noch zu Beginn des Jahrtausends galt Gerry Weber an der Börse eher als unsexy. Biedere Damenoberbekleidung für die Mittelschicht, stagnierende Umsätze und ein Aktienkurs, der selbst in den wilden Zeiten der New Economy kaum von der Stelle kam. Dieses Bild hat sich jedoch gründlich gewandelt. Durch solides Management, eine schlüssige Expansionsstrategie und nachhaltig profitables Wachstum hat sich das Unternehmen mittlerweile zu einem Liebling der Börsianer gemausert. Nicht zu unrecht, auch nach 150 % Wertzuwachs seit Anfang 2005 ist das Papier noch nicht teuer.

Wandel zum „vertikalen Systemanbieter“... Der Grundstein für diese Performance wurde vor etwa zehn Jahren gelegt. Damals setzten die schwache Konsumnachfrage und das Händlersterben den Bekleidungsunternehmen schwer zu. Das Management um Gründer Gerhard Weber erkannte dies frühzeitig und reagierte konsequent. Strukturen wurden verschlankt, Kosten gesenkt, Image und Kollektionen modernisiert. Das Markenportfolio wurde von fünf auf drei Marken gestrafft, übrig blieben die Kernmarke Gerry Weber sowie „Taifun“ für jüngere Kundinnen und „Samoon“ für Übergrößen. Der wohl wichtigste – und mutigste – Schritt war aber, dass ein eigenes Einzelhandelskonzept entwickelt wurde. Unter dem Namen „Houses of Gerry Weber“ öffneten fortan inner- und außerhalb Deutschlands immer mehr schick aufgemachte Modehäuser ihre Pforten, die ausschließlich die Marken der Ostwestfalen anboten. ...hat sich ausgezahlt Das Konzept ging voll auf. Mittlerweile betreibt Gerry Weber gut 360 dieser Marken-Stores, davon etwa die Hälfte in Deutschland, meist in Eigenregie, und die andere Hälfte im Ausland, vornehmlich auf Franchise-Basis. Rund 25 % des Konzernumsatzes erwirtschaftet das Endkundengeschäft bereits. Die restlichen 75 % stammen weiterhin aus dem traditionellen Großhandel, der rd. 5.500 Einzelhändler in aller Welt beliefert und interessanterweise nicht vom wachsenden Retail-Geschäft kannibalisiert, sondern durch die insgesamt höhere Markenpräsenz eher noch befruchtet wurde. So beliefert Gerry Weber mittlerweile 1.860 Shop-in-Shops in Kauf- und Modehäusern, das sind viermal so viel wie noch zur Jahrtausendwende. Beeindruckender Track Record Ebenso deutlich schlägt sich die erfolgreiche Expansionsstrategie in den Geschäftszahlen nieder. Nachdem der Umsatz zwischen 2001 und 2005 noch mehr oder weniger auf der Stelle trat, legten die Einnahmen in den vier Folgejahren bei weiterhin schwachem Branchenumfeld um über 50 % zu. Selbst im letzten Geschäftsjahr 2008/09, das am 31.10.2009 endete und somit voll in die Wirtschafts- und Finanzkrise fiel, wurden die Erlöse um weitere 4 % auf 594,1 Mio. Euro gesteigert. Noch beeindruckender entwickelten sich die Ertragskennzahlen. Durch Optimierungen in Einkauf, Produktion und Logistik, vor allem aber durch die Ausweitung der Wertschöpfung auf den Retail-Bereich konnte die EBIT-Marge seit 2004/05 von 7,8 auf 12 % gesteigert werden, wodurch sich der operative Gewinn mehr als verdoppelt hat auf 71,2 Mio. Euro. Der Jahresüberschuss legte in diesem Zeitraum sogar um fast 170 % auf 43 Mio. Euro zu, was einer für ein Bekleidungsunternehmen üppigen Nettomarge von 7,2 % entspricht. Selbst Musterknabe Hugo Boss kommt „nur“ auf 6,7 %. Weiteres Wachstum absehbar Doch damit nicht genug, Gerry Weber will weiter wachsen und die Rentabilität noch ausbauen. Diese ehrgeizigen Ziele erscheinen durchaus realistisch, denn einerseits zeigt sich die Branchenkonjunktur mit einem erwarteten Umsatzplus in der Damenoberbekleidung von 8,2 % für 2010 (Quelle: GermanFashion) robust wie lange nicht, und andererseits stehen dem Unternehmen gleich mehrere Expansionspfade zur Verfügung. Der wichtigste Wachstumstreiber bleiben die Retail-Stores. Nachdem im ersten Halbjahr 29 neue Houses of Gerry Weber eröffnet wurden, sollen es im Gesamtjahr 70 bis 80 werden. Darüber hinaus soll auch der klassische Großhandel in 2009/10 um weitere 180 Shop-in-Shops wachsen und die Auslandsexpansion in Osteuropa sowie im Nahen und Fernen Osten vorangetrieben werden. Schließlich sollen auch die Kollektionen noch einmal verjüngt und hochwertiger gestaltet werden, um stärker ins höhermargige Premiumsegment vorzudringen. Apropos Marge: Auch in Sachen Kostensenkung beschreitet Gerry Weber neue Wege und will zur Optimierung von Logistik- und Retailprozessen als erster Modehersteller kontaktlose Funk-Etiketten mit RFID-Technologie an seinen Kleidungsstücken einführen. Nur Gewinnstagnation eingepreist Nach einem satten Plus der Auftragseingänge um 34,2 % im ersten Halbjahr schließen wir uns der Prognose des Vorstands an, der für das laufende Geschäftsjahr eine Erlössteigerung auf 615 bis 620 Mio. Euro und eine operative Marge von 13 % prognostiziert. Für 2010/11 werden dann sogar 660 Mio. Euro Umsatz und 14 % EBIT-Marge angepeilt. Bei einem von uns erwarteten Gewinn je Aktie für das laufende und folgende Geschäftsjahr von 2,36 respektive 2,53 Euro rutscht das KGV 10/11 mit 9,6 wieder in den einstelligen Bereich. Das war historisch gesehen immer eine sehr gute Einstiegsgelegenheit bei Gerry Werber. Die günstige Bewertung wird einmal mehr auch durch unser Modell der Ewigen Rente (vgl. auch Performaxx-Anlegerbrief Nr. 17/2008) deutlich. Unterstellt man für die Zukunft nur einen konstanten Gewinn auf dem erwarteten Niveau von 2009/10 von 2,36 Euro, so ergibt sich bei einer (hohen) Renditeforderung von 10 % p.a. ein fairer Wert von 23,60 Euro, was ungefähr dem aktuellen Kurs entspricht. Die Börse preist also derzeit keinerlei Gewinnsteigerungen bei der Gerry-Weber-Aktie ein. Fazit Spekulieren Sie darauf, dass sich die Börse irrt und Gerry Weber weiteres, schon jetzt absehbares Wachstum realisieren kann. Auch wir tun dies und nehmen die Aktie in unsere Empfehlungsliste auf. Erstes Kursziel ist 35 Euro, on top gibt’s noch eine schöne Dividendenrendite von rd. 4 %.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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