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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 27.04.2009

Gerresheimer: Chance auf Bodenbildung in Chart und Zahlen

Gerresheimer: Chance auf Bodenbildung in Chart und Zahlen

Vor rund einem Jahr hatten wir Ihnen den Primärverpackungsspezialisten Gerresheimer vorgestellt. Die Aktien kamen Mitte Juni 2007 zu einem Preis von 40 Euro an die Börse – zu teuer, wie wir damals meinten und daher von einer Zeichnung abrieten. Vor einem Jahr dann sahen wir schon deutlich mehr „Value“ fürs Geld, nichtsdestotrotz brachen zuerst die Peergroup-Kurse und schließlich auch die Gerresheimer-Zahlen selbst weg. Die Durststrecke sollte jetzt vorüber sein.

Die Gerresheimer AG ist ein Hersteller qualitativ hochwertiger Verpackungen aus Spezialglas und Kunststoffen, der sich auf die Pharma- und Lifescience-Industrie, die es als Komplettanbieter mit Röhren- und Behälterglas wie auch mit Primärverpackungen aus Kunststoff versorgt, spezialisiert hat. Glas- und Kunststoffbehälter sowie Bauteile für Spezialsegmente der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie und der Automobilindustrie befinden sich im Leistungsumfang. Das Geschäft unterteilen die Düsseldorfer in die vier Bereiche Tubular Glass, Plastic Systems, Moulded Glass und Life Science Research. Die Vorgängergesellschaft Gerresheimer Glas wurde erst Ende 2003 im Zuge eines Squeeze-outs von der Börse genommen und anschließend von der Private Equity-Gesellschaft Blackstone aufgepäppelt. Der Finanzinvestor hatte die damals noch unter Gerresheimer Glas firmierende Gesellschaft von JP Morgan und Investcorp für angeblich nur rund 600 Mio. Euro übernommen.

Fehler der Vergangenheit

Der zweite Börsengang Mitte 2007 sollte vor allem gezielte Akquisitionen ermöglichen. Anfang des Jahres 2007 hatte Gerresheimer den Regensburger Kunststoffhersteller Wilden übernommen, wodurch die Finanzschulden auf fast 900 Mio. Euro nach oben schossen. Das ist nicht wenig für ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz in ähnlicher Größenordnung. Interessant ist, dass Gerresheimer acht Zukäufe in zwei Jahren tätigte, zu denen Private Equity-Investor Blackstone selbst jedoch nichts beitrug. Auch die eigene Übernahme durch den Finanzinvestor mussten die Düsseldorfer praktisch selbst finanzieren. Die Bewertung zum IPO war alles andere als ein Schnäppchen, und man sah sehr deutlich, wer bei dem Börsengang das Sagen hatte: Das KGV zum IPO lag bei fast 30 für das zurückliegende Jahr.

Hohes Alter, hohe Barrieren

Leider konnte Gerresheimer die Emissionserlöse nicht zur Forcierung weiteren Wachstums verwenden, da das Geld zur Rückführung der Verbindlichkeiten reserviert war. Als Zulieferer von „Big Pharma“ profitieren die Düsseldorfer jedoch vom Healthcare- und demografischen Trend: Eine alternde Bevölkerung braucht zunehmend mehr Medikamente – und die müssen nach wie vor kompetent verpackt werden, Flaute hin oder her. Hohe Markteintrittsbarrieren sind hier an der Tagesordnung.

Gut – mehr oder minder

Obwohl vom Markt anders befürchtet, schaffte Gerresheimer 2008 noch ein positives Nettoergebnis. Dabei zeigte sich wie erwartet vor allem der Bereich Pharma & Lifescience, der drei Viertel zu den Gesamterlösen beiträgt, als noch sehr robust. Nachfragetreiber waren Diabetes-Produkte und sogenannte RTF-Spritzsysteme.

Konsolidierung 2009

Jährlich könnte Gerresheimer ca. 10 bis 15 % pro Jahr wachsen, mittelfristig und mit gezielten Zukäufen. Kurzfristig jedoch packt auch Gerresheimer erst einmal kleinere Päckchen. Der Bereich Plastic Systems/Technical Plastics ist gar zum Verkauf gestellt, da das Geschäft unter der Flaute der unberechenbaren Automobilindustrie leidet. Das erste Halbjahr 2009 indes dürfte vom generellen Lagerabbau in der Pharmaindustrie geprägt bleiben. Beim Umsatz geht der Konzern konservativerweise von rund 1,09 Mrd. Euro aus, das wäre praktisch Vorjahresniveau (ca. +3 %). Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA sollte mindestens 200 Mio. Euro erreichen. Margendruck bleibt allerdings erhalten, solange Technical Plastics noch nicht verkauft sind. Ergebnisseitig drehen kann Gerresheimer daher auf kurze Sicht erst einmal nur an der Kostenschraube: Produktionslinien können in Niedriglohnländer verlegt, Hochofen zusammengelegt und Personal- und Energiekosten allgemein so weit wie möglich gedrückt werden – mehr ist 2009 nicht drin. Anlaufkosten für Produkteinführungen sind ebenfalls ein Thema, während der Benefit daraus erst ab 2010 aufwärts sichtbar werden kann.

Wenigstens der Chart sieht schon erfreulicher aus

Mittlerweile ist eine Dividende in Aussicht gestellt. Sie soll 0,40 Euro betragen, was aktuell etwas mehr als 2 % Rendite bedeuten würde. Bei einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von nominell über 30 für 2009 ist Gerresheimer wieder dort, wo man auch schon zu Zeiten des Börsengangs war – allerdings sind jedwede Ertragsprognosen gegenwärtig mit hohen Unsicherheiten behaftet und daher mit Vorsicht zu genießen. Das gilt in beide Richtungen. Wenigstens das Kursbild sieht so aus, als hätte Gerresheimer Ende März bei unter 15 Euro einen Boden ausgebildet. Darauf ließe sich aufbauen.

Fazit

Der Kurs kannte offenbar die Fakten schon, bevor sie auf der News-Seite sichtbar wurden. Wir gehen davon aus, dass Gerresheimer sein Kurstief vor einem Monat gesehen hat und rechnen nun mit einer Erholung auf bis zu 20 Euro – mehr ist kurzfristig nicht drin. Im Laufe des Übergangs- und Konsolidierungsjahres 2009 muss erst deutlich werden, ob höhere Kurse auch gerechtfertig wären. Den Beleg für nachhaltige Profitabilität haben die Düsseldorfer ihren Leid geplagten Investoren noch nicht erbringen können.

Für den Inhalt dieses Artikels ist die Redaktion des Performaxx-Anlegerbriefs verantwortlich. Der Performaxx-Anlegerbrief zählt mit einer Musterdepotperformance von über 606 % seit 1.1.2001 zu Deutschlands erfolgreichsten Börsenbriefen.

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