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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 18.01.2010

Fundamentaler Jahresausblick 2010: Ein Jahr des Übergangs – doch zu was?

Fundamentaler Jahresausblick 2010: Ein Jahr des Übergangs – doch zu was?

Einen belastbaren Ausblick für das neue Jahr aufzustellen, gleicht wie schon im Vorjahr einer höchst undankbaren Aufgabe – Sie lesen richtig: Genau das waren unsere Worte vor einem Jahr an dieser Stelle. Für 2010 trifft dies genauso zu, eher noch mehr. Mögliche Trends des Jahres 2010 zu identifizieren, erscheint gewagt angesichts einer Finanz- und Wirtschaftswelt, die durch die massivsten Stützungsmaßnahmen der Finanzhistorie in ihren Fugen gehalten werden musste. Während die Schwellenländer, allen voran China und Indien, praktisch ungebrochen wachsen, klaffen bei den westlichen Industrienationen überall eiternde Wunden auf, die sich kaum versorgen lassen. Da ist die Frage nach einem sich selbsttragenden Aufschwung mehr als angebracht. Eine Prognose für 2010 wird damit zu einem spekulativen Unterfangen. Versuchen wir es dennoch.

Keine historischen Hilfsmittel vorhanden Im Verlaufe der Jahre 2008 und 2009 mussten wir feststellen, dass sich vermeintlich statische Korrelationen in ungewohnten Marktphasen einfach in Luft auflösten, d.h. eigentlich hätten sich Aktien, Anleihen und Edelmetalle nicht in die gleiche Richtung bewegen sollen / können, doch trotzdem taten sie es. Bevor der US-Dollar seinen inzwischen acht Jahre währenden Abwärtstrend wieder aufnahm, erstarkte er zunächst dergestalt, dass zahlreiche Unternehmen durch ihre Absicherungsgeschäfte (gegen eben einen schwächeren Dollar) zusätzliche Verluste erleiden mussten. Was war mit den Saisonmustern im vergangenen Jahr? Ebenfalls Fehlanzeige. Weshalb legte die Nasdaq 2009 um fast 50 % zu, während werthaltige Aktien in bei weitem attraktiveren Bewertungsrelationen gerade einmal die Hälfte vollbrachten? Weshalb kollabierten die Edelmetalle (Krisenanlagen?) seit Erreichen neuer Höchstkurse Anfang Dezember 2009, obwohl da nun gerade das Dubai-Debakel und das Griechenland-Gezeter ihren Anfang nahmen? Sie sehen: Die altbekannten Erklärungsmuster funktionieren gegenwärtig nicht mehr. Und das wiederum ist auch kein Wunder. Fragen über Fragen, die einer zufrieden stellenden fundamentalen Antwort entbehren. Weil es an der Börse manchmal Sachen gibt, denen man rational nicht beikommen kann. Aber werden wir nicht philosophisch, sondern konzentrieren wir uns strikt auf die Fundamentals. Nehmen Sie die Vogelperspektive ein Im fundamentalen Jahresrückblick des Performaxx-Anlegerbriefs hatten wir schon angedeutet, dass Ihnen als Anleger folgende Sichtweise weiter helfen könnte: Von Mitte 2003 bis Mitte 2007 sollten Sie (wie wir z.B. mit unseren Depots) derart gute Gewinne mit Aktien & Co. gemacht haben, dass Sie mögliche (sofern denn der Fall, jedenfalls ist es höchst wahrscheinlich) Verluste im Zeitraum Mitte 2007 bis Anfang 2009 verschmerzen konnten. Vielleicht haben Sie 2009 ja sogar mit einem stattlichen Plus abschließen können – dann schauen Sie auf Ihre 5-Jahres-Performance. Ähnlich zeigte sich die Ausgangssituation schon einmal 2004: Die Perspektiven nach der gerade überstandenen Millenniumskrise bis 2003 waren derart undurchsichtig, dass kaum etwas Anderes übrig blieb als zu sagen: Na gut, bis 2000 hatte ich riesige Gewinne (z.B. mit Internet-, Biotech-, Hightech-Aktien), seither ging es durchschnittlich um x % zurück, macht unter dem Strich noch ein Plus von y %. Auf 5-Jahres-Basis stimmte die Rechnung also weiterhin, weil sich zeigte, dass ein einzelnes Börsenjahr als Betrachtungszeitraum zu kurz gegriffen war. Eine ähnliche Vogelperspektive empfehlen wir heute. Das Jahrzehnt der Sachanlagen Vergessen Sie nämlich bei alledem nicht: Die Aktienindizes stehen auf ihren Ständen von vor zehn Jahren! Der Dow Jones erreichte schon Anfang 1999 die Marke von 10.000 Punkten, während der Dax die Marke von 6.000 Zählern bereits Mitte 1998 erklommen hatte. Wenn Sie reiner Aktienanleger sind, wäre es nicht mal eine Schande, wenn Sie auf Zehnjahressicht eine nominelle Null-Performance hätten. Hintergrund ist natürlich die exorbitant hohe Ausgangslage, von der Aktien seit Ende der 90er Jahre kamen: Die Renditen in den Nachfolgejahren sind dann automatisch geschmälert bzw. negativ. Das sehen viele nicht ein, weil ihnen diese lange historische Perspektive abgeht. Aktien en masse kauft man, wenn die Bewertungen lachhaft niedrig sind, nicht umgekehrt. Das ist der Grund, warum Sie seit Ende des Bullenmarktes fast nur noch mit Stockpicking erfolgreich sein konnten, wenn Sie nicht gerade die horrend guten Einstiegszeitpunkte März 2003 oder März 2009 erwischt haben. Folgerichtig war dann das vergangene Jahrzehnt auch nicht mehr das Jahrzehnt der Aktie an sich (das waren die 1990er), sondern das Jahrzehnt der Edelmetalle, der Immobilien (jedenfalls zu etwa 2/3) oder beispielsweise auch das der Kunstinvestments – kurz: ein Jahrzehnt der Sachanlagen. Nun fängt zwar das neue Jahrzehnt bereits an, das heißt aber nicht, dass die dominierende Anlageklasse pünktlich zum 1.1. wechseln muss – das kann genauso 2011, 2014 oder 2018 der Fall sein. Was wir damit sagen wollen, ist, dass es für jede Periode (gerechnet in vielen Jahren oder gar einem ganzen Jahrzehnt) eine dominierende Anlageklasse gibt, und im Jahrzehnt 2000 bis 2009 war das nicht (mehr) die Aktie. Aktien sollten natürlich einen Teil Ihrer Vermögensanlage ausmachen, aber – wie sich längst herausgestellt hat – derzeit nicht den dominierenden Teil, jedenfalls nicht für ein breit diversifiziertes Buy-and-Hold. Spießiges (Aktien-)Deutschland Mittlerweile ist Deutschland auch den wenig förderlichen Weg gegangen, mittels Abgeltungssteuer das Finanzvehikel „Aktie“ ein weiteres Stück unpopulärer zu machen – eine falsche Richtung, wie wir meinen. Da darf man sich nicht wundern, wenn nur noch jeder Zehnte Aktieninvestments besitzt, zuletzt wieder mit fallender Tendenz. Da Deutschland andererseits aber auch kein Land der Immobilienbesitzer ist (Eigenheimquote unter 50 %), muss man festhalten, dass der typische Deutsche eigentlich gar nichts repräsentiert im Investitionssinne – außer eben den Archetypus des nicht mehr ganz zeitgemäßen Sparbuchbunkerers. Das ist bitter, aber leider ist es so: Der durchschnittliche deutsche Investor ist ein Spießer. So viel von unserer Seite vorab zur Vogelperspektive, die Sie irgendwo im Hinterkopf behalten sollten. Steter Alarmzustand jetzt angebracht Wir leben derzeit in historischen Zeiten und auch die Maßnahmen, um einen Komplettzusammenbruch der Wirtschaft oder des Finanzkreislaufs zu verhindern, waren historisch und dramatisch. Danach gehen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft nicht einfach wieder zu ihrem Ruhepuls über. Derzeit laufen die Aufräumarbeiten, etwaige Spätfolgen werden wir noch zu sehen und zu spüren bekommen. Bestimmt verfolgen Sie auch die unsägliche Diskussion um Managerboni, plötzlich wieder vorhandene Milliardengewinne bei den Geldinstituten, schleppende Kreditvergabe von Seiten der selben Institute, Zahlungsschwierigkeiten bei einigen Finanzadressen (z.B. Dubai Fonds) wie auch demnächst Staaten (Griechenland – wer als nächstes?), usw. usf. Die Bitte von Dubai World um Zahlungsaufschub stellt einen Ordnungsruf dar, was den Preis für das Risiko und die Selbstzufriedenheit der Gläubiger angeht. All das sollte uns ermahnen, dass wir beileibe nicht mehr in einen Normalzustand zurück gelangen. Auf eine Art Daueralarmzustand scheint es hinaus zu laufen, wie man übrigens auch an den neuerlich wieder aufgekommenen terroristischen Anschlagsversuchen sieht. Stetige Wachsamkeit auch beim Vermögensaufbau bzw. -erhalt ist das Gebot der Stunde bzw. des neuen Jahres 2010. Billiges Geld, schwache Demokratien Massive Vermögensumschichtungen zeichneten sich in den vergangenen Jahren ab, so wie auch derzeit noch bzw. wie für die kommenden Jahre. Stellen Sie Ihre Weichen also mit sehr viel Bedacht in einer Welt, in der billig verfügbares Geld Anlagen schlechter Qualität jagt und in der Demokratien auf ihrem härtesten Prüfstand seit Jahrzehnten stehen. Liquidität sucht Rendite – und findet keine mehr Wo soll Liquidität schon hin, wenn Anleihen so wenig rentierlich sind wie nie zuvor? So hat sich am Anleihemarkt mittlerweile eine beträchtliche Blase aufgebaut, da sich die Investoren auf der Jagd nach der zweiten Nachkommastelle in der Rendite gegenseitig überbieten. Das ist höchst gefährlich. Und zudem ist es unlogisch, dass Aktien- und Anleihemärkte gleichzeitig steigen. Eine Investorenschar müsste nach alter Schulmeinung derzeit komplett falsch liegen, da man mit Aktien auf eine wirtschaftliche Aufschwungphase setzt, mit Anleihen dagegen auf Stagnation – dafür jedoch sind die Anleiherenditen mit Mikroprozenten viel zu gering. Die Konstellation macht schlichtweg keinen Sinn. Nur Investitionsdruck dank massiver Überschussliquidität kann die gegenwärtige Situation noch plausibel erklären. Daraus folgt, dass die Anlageklassenfavoriten jederzeit sehr schnell wechseln können. Vermögensinflation und Reflation Vermögensinflation ist der Begriff, den Sie kennen sollten. Auch als Reflation bekannt. Künftige Preissteigerungen werden weder auf Lohnsteigerungen noch auf Produktivitätswachstum beruhen. Viele Gelder finden ihren Weg an die Kapitalmärkte. Deshalb steigen wie beschrieben Aktien, Anleihen (d.h. deren Renditen sinken im Umkehrschluss), Edelmetalle etc. alle gleichzeitig bzw. fallen gleichzeitig. Eine Reflation wird in der Regel von einer handfesten Inflation gefolgt, da es Politik und Banken gemeinhin nicht schaffen, die „Fressnäpfe“ voller Liquidität wieder marktunschädlich abzuschöpfen. Zumal die Lage anno 2010 ernster ist denn je: 1 USD (oder Euro) Ankurbelungsgeld vollbringt nur noch wenige Cent Wirtschaftsleistung. Um sicher zu gehen, dass der Ankurbelungseffekt (Konjunkturmaßnahmen, Kreditvergaben usw.) auch tatsächlich nachhaltig bleibt, müssen Politik und Notenbank auf Nummer Sicher gehen. Im Zweifelsfall heißt das: „Make sure it …“, das berühmte Bernanke-Strategiepapier kennen Sie hoffentlich (falls nicht, einfach googlen), denn es ist aktueller denn je. Regierungen haben sich selbst verschuldet, um Verbrauchern und Unternehmen die Entschuldung ihrerseits zu erleichtern – aber funktioniert das? Derzeit fällt die Kreditvergabe von Seiten der Banken trotz rekordbilligen Geldes, d.h. die Liquidität wird nicht in die Realwirtschaft gegeben, sondern saniert in Wirklichkeit nur die Bankbilanzen (was natürlich auch einen gewissen Sinn und Nachfolgeeffekt hat, wenn man ironisch sein und das Gute darin sehen möchte). Beachten Sie außerdem, dass Zinssätze in den wichtigsten Volkswirtschaften nahe Null historisch einmalig sind. Die Welt betritt hier absolutes Neuland, selbstverständlich inklusive aller Risiken und Nebenwirkungen. Ob Sie sich auf der sicheren Seite fühlen oder nicht: Eine in den nächsten Jahren einsetzende Geldentwertung (zunächst weiter schleichend wie bisher, dann zunehmend) wird Nicht-Sachwerte schädigen. Nicht nur Sparbücherinhaber, Kapitallebensversicherungs-Rookies und Rentenzusagen-Gläubige werden die notwendigen Bauernopfer bringen müssen. Das beschreiben wir Ihnen in unserem traditionellen 10-Punkte-Ausblick für 2010. (1) Die Aktienmärkte sehen wir im Jahr 2010 tendenziell seitwärts, mit gewisser Chance zu einer (noch) positiven Bewegung. Die Schwankungsbreite sollte vielleicht plus/minus 15 % betragen. Für den Dax beispielsweise hieße das 5.000 bis 7.000 Punkte. In einem solchen Szenario müssen Sie vermehrt selektives Stockpicking betreiben bzw. auf charttechnische Trades setzen, da Sie mit einem breiten Buy-and-Hold auch 2010 nicht vorankommen. Hier macht sich im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt, dass der Performaxx-Anlegerbrief seit jeher eine multidimensionale flexible Strategie aus Fundamentalanalyse, Charttechnik und Trading verfolgt, daher auch getrennte Ausblicke und Analysen. (2) Outperformer wird zweifellos keine westliche Börse sein. Von den größeren am ehesten Shanghai, Hongkong, Brasilien oder dergleichen. Folgerichtig sollten Sie die Regionen bevorzugen, wo nachhaltiges Wirtschaftswachstum überhaupt noch stattfindet, allen voran China, Indien, Brasilien. Diese Länder konnten über den SPIEGEL-Titel „Das verlorene Jahrzehnt“ zum Jahreswechsel nur lachen. Politisch muss man kein China-Fan sein, aber man kann dort Renditen erzielen, die sonst nicht möglich wären. Vor etwas mehr als einem Jahrhundert waren es die USA, die damals noch als Emerging Market galten, als Ex-Kolonie der britischen Krone. Heute entscheidet China darüber, ob die Weltwirtschaft wächst oder schrumpft. Auf Basis der Kaufkraftparitäten machen die Schwellenmärkte derzeit rund die Hälfte des weltweiten BIP aus. In Bezug auf die Geldmenge haben China und die USA mittlerweile ein ähnliches Niveau erreicht; auf dem Automarkt hat China die USA bereits überholt – andere Sektoren und Indikatoren werden folgen! (3) Hintergrund ist u.a., dass der Leitzins irgendwann im Verlaufe des Jahres angehoben wird. Eine 1 vor dem Komma in den USA, wie von einigen Experten wie auch Börsenpublikationen prognostiziert, halten wir im Gegensatz dazu weder für machbar noch gewollt. Man könnte die Leitzinsanhebungen eher als symbolischen Akt interpretieren. Behalten Sie im Hinterkopf, dass die aufgetürmten Staatsschulden genau so lange kein Problem sind, wie die Zinslasten noch zu tragen sind. Das sind sie sowohl in den USA als auch hier in Deutschland dank Minizinsen (bei gleichzeitigen Rekordschulden). Daher sind die Staatsschulden auf kurze Sicht kein „Problem“, das an der Börse eine wirkliche Rolle spielt – vergessen Sie das Gerede darum. Die westlichen Staatsschulden werden selbstverständlich nie mehr zurückgeführt werden, aber die Zinslasten können nach wie vor kurz- und mittelfristig bedienbar bleiben (Ausnahmen kleinerer Länder wie Griechenland bestätigen die Regel). Langfristig dagegen muss das Schuldensystem natürlich zusammenbrechen, aber 2010 muss Sie das noch nicht um den Schlaf bringen. (4) Darauf basierend könnte der US-Dollar zunächst weiter zu relativer Stärke neigen („Zinserwartungshaltung“). Realistisch erscheint uns eine Entwicklung im Wesentlichen zwischen 1,35 und 1,50 zum Euro. Neue Tiefs für den Dollar sehen wir 2010 jedenfalls nicht. Hintergrund hier sind u.a. Zinsstrukturkurven, Flucht in vermeintliche „Qualität“ sowie ein seinerseits bedrohter Euro (siehe Punkt 9). Profiteur könnte der Schweizer Franken sein, den man im Auge behalten sollte. (5) Öl dürfte seine relative Stärke fortsetzen. 100 USD sind leicht möglich. Zum Jahresende eher schwächer, keine Jahreshochs mehr dann. In Erwartung einer Double-Dip-Rezession würde Rohöl im zweiten Halbjahr schwach werden. (6) Die Edelmetalle werden angesichts von Dollar-Stärke sowie Aktienmarktkonsolidierung zunächst keine weiteren Hochs erklimmen. Gold muss zunächst um seine 1.000-USD-Marke bangen. Insgesamt sehen wir bestenfalls eine Konsolidierung für Edelmetalle im Jahr 2010. Über das Jahr 2010 hinaus wäre interessant, ob Gold seine Eigenschaft als Krisenanlage wiedergewinnen kann. Derzeit ist dieses Verhältnis außer Kraft gesetzt, daher auch diese Prognose von uns zu den Edelmetallpreisen. Verlieren Dollar und Euro 2010 gleichzeitig an Vertrauen, könnte das Bild anders aussehen. Investierte Edelmetallanleger sollten einfach ausharren, ggf. bei Schwäche Bestände aufstocken für eine Perspektive über 2010 hinaus. (7) Die US-Wirtschaftsleistung wird unserer Einschätzung nach im Laufe des Jahres 2010 enttäuschender sein als von Vielen vermutet. Diese Prognose ist alles andere als trivial und derzeit nicht der Marktkonsens. Daraus leiten sich die Konsequenzen in den vorherigen wie auch einigen nachfolgenden Punkten ab. Die Gefahr einer Double-Dip-Rezession in den USA, dann andernorts (spätestens) im Jahr 2011 liegt unserer Einschätzung nach mittlerweile bei über 50 %, daher muss es das Hauptszenario sein, dessen Vorboten uns bereits 2010 beschäftigen werden. (8) Wenn es denn irgendein Saisonmuster gibt anno 2010 (siehe Kommentare im 2009er Rückblick), so wäre fundamental ein besseres erstes Halbjahr wahrscheinlicher. Wenn Sie eher zu den Wenig-Tradern gehören, sollten Sie sich klare Ausstiegsregeln für den Aktienmarkt zurechtlegen und sich konsequent dran halten, z.B. ein Stop-Loss bei -10 % nachziehen oder dergleichen, natürlich dürfen es auch gerne charttechnische Trigger sein (Bruch des MACD etc). (9) Die EU gerät in eine ernste Krise. Eigentlich müsste Griechenland unter finanzielle Zwangsverwaltung gestellt werden. Weitere Länder wie Irland, Spanien, Portugal, auch die baltischen Ex-Tiger werden zunehmend wackeln. Wer noch fällt, außer Griechenland (das zum Glück nur 3 % zum EU-BIP beiträgt), können Sie auswürfeln. Die Zukunft der EU in ihrer jetzigen Form sowie ihrer gemeinsamen Währung wird zunehmend zur Debatte stehen. Zu recht, denn wir halten die EU für ein wirtschaftspolitisches und währungstechnisches Fehlkonstrukt und bürokratisches Ungeheuer. Die Idee, immer mehr Länder aus der Peripherie aufzunehmen, ist gescheitert. Es hätten nie mehr als vielleicht die ursprünglichen ein Dutzend Gründungsstaaten werden dürfen. Der Euro in seiner jetzigen Form als Plattform für 30 oder mehr Länder hat keine Zukunft. Aufmerksame Leser werden nun fragen, was denn passiert, wenn Dollar und Euro gleichermaßen gefährdet sind. Richtig, wie beschrieben: Das sollte eigentlich Edelmetallen weiteren Vorschub leisten, jedoch wahrscheinlich noch nicht 2010. Das Jahrzehnt der Outperformance der Edelmetalle gegenüber Aktien ist allerdings noch nicht vorüber. (10) Soziale Unruhen nehmen in unseren westlichen Ländern in lange nicht gesehenem Ausmaße zu (jedenfalls nicht in dieser Generation gesehen). Dies zusammen mit einer schwachen Regierung (wie in Deutschland so auch in vielen anderen Ländern) ist ein Pulverfass sondergleichen. Die terroristische Gefahr wird 2010 ebenfalls weiter zunehmen, die Wahrscheinlichkeit mindestens eines größeren finanzmarktrelevanten „Events“ liegt unserer Einschätzung nach bei über 50 %. Fassen wir das alles in weniger Worten kompakt zusammen: 2010 wird in unserem Hauptszenario noch von den Ankurbelungsmaßnahmen der Jahre 2008 und 2009 getragen. Das „Wachstum“ ist jedoch weder nachhaltig noch selbsttragend in den westlichen Volkswirtschaften, daher kippen die Wirtschaftsleistungen voraussichtlich spätestens 2011 wieder. Großbritannien und Japan befinden sich sogar selbst jetzt noch in der Rezession. Am Horizont kündigen sich zumindest Mini-Leitzinsanhebungen an: Die Zinsstrukturkurve indiziert sowohl für die USA als auch für die EU ab 2011 einen neuerlichen BIP-Rückgang – und das bedeutet bereits Rezession bzw. deren Fortsetzung. Mit anderen Worten: Ungemütlich wird es wohl erst ab 2011, auch im Hinblick auf unsere Punkte soziale Unruhen, EU-Debakel und dergleichen. 2010 gilt es demnach, noch einige selektive Renditen einzufahren und sich für 2011 dann rechtzeitig vorsichtig zu positionieren. Die Risiken beginnen jetzt äußerst deutlich zu überwiegen und Sie möchten sicher nicht blindlings in einen Steilkantenabsturz wie Mitte 2007 hineinlaufen. Mögliche Investitionsthemen für 2010 wären demnach zusammenfassend: Nur noch selektive, fundamental orientierte Aktieninvestments oder Trades (z.B. unsere Depottitel) Bestehende Bestände mit Stop-Loss sichern, keinesfalls Buy-on-Dips praktizieren, Verkäufe in Stärke hinein Niemals der dominierenden Richtung des Aktienmarkts von Montagen folgen, sondern wenn schon, dann derjenigen vom Freitag (montags handeln nur die Zuspätgekommenen = Nachlaufindikator). Regionen China & Asien bevorzugen / übergewichten, bestehende Edelmetallinvestments ggf. mittels Put-Zertifikaten sichern, Aufstockung von Beständen nur nach ausgeprägten Schwächen Keine Währungsengagements, da Richtungen aktuell äußerst unklar Inflationsgesicherte Anleihen evtl. als Beimischung In der zweiten Jahreshälfte zunehmend vorsichtiger werden bezüglich sämtlicher Anlagen, da möglicherweise krisendominierte Vermögenssicherung für 2011 auf der Agenda steht (was natürlich im Jahresverlauf von uns immer wieder überprüft werden wird).

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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