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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 12.10.2009

Flatex: Innovationsschmiede unter den Online-Brokern

Flatex: Innovationsschmiede unter den Online-Brokern

In diesen Tagen verhaltener Börsenruhe – die Indizes stiegen seit ihren Tiefstständen im März so rasch wie seit 1930 nicht mehr – glückt sogar wieder das ein oder andere IPO. Mittlerweile sind es drei Unternehmen, die 2009 den Sprung aufs Parkett schafften: HepaHope, Flatex und schließlich letzten Donnerstag Vtion Wireless.

Wir hatten Ihnen alle drei anlässlich ihrer Erstnotizen vorgestellt und ihre Perspektiven analysiert. Den Online-Broker Flatex wollen wir nach knapp vier Monaten noch einmal etwas genauer ansehen (der Titel befindet sich aktuell in unserem Kurzfristdepot).

Stark gestartet...

Das Emissionsvolumen von 3,1 Mio. Euro konnte noch nicht als Eisbrecher für das verkorkste IPO-Jahr 2009 gelten. Immerhin: Flatex hatte in einem nicht gerade optimalen Umfeld den Sprung ins kalte Wasser gewagt und seine Bewährungsprobe bestanden. Die 0,8 Mio. angebotenen Aktien stammten vollständig aus einer Kapitalerhöhung, wie es sich für ein Wachstumsunternehmen gehört. So debütierten die Papiere dann am letzten Juni-Tag im Entry Standard. Wie von uns richtigerweise prognostiziert, konnten glückliche Anleger teils stattliche Zeichnungsgewinne einfahren, als der Kurs am ersten Handelstag über 5 Euro empor schoss – nach einem Ausgabepreis von 3,90 Euro.

...aber noch stärker nachgelassen

Unser Rat zu einem sofortigen Stopp-Kurs hätte ebenfalls kaum treffender sein können, fielen die Papiere doch sofort nach diesem ersten starken Handelstag in den folgenden Tagen bis auf 2,61 Euro zurück. Gegenüber dem Höchstkurs war das eine glatte Halbierung. Einer unserer Kritikpunkte war dann auch offenbar zu Recht, dass von den 4,5 Mio. zur Emission existierenden Aktien gerade einmal etwas mehr als die Hälfte einer Sperrfrist bzw. Veräußerungsbeschränkung unterlag – und das ist wirklich nicht mehr zeitgemäß, auch wenn Flatex „nur“ den schwach regulierten Entry Standard ansteuerte.

Erwachsen geworden

Flatex firmierte als Pre.IPO Aktiengesellschaft erst im Jahr 2006 in den heutigen Namen um. Seither fokussieren sich die Kulmbacher auf Online-Brokerage, im Blickpunkt steht der „aktive Trader“, der so genannte „Selbstentscheider“. Auf diese Weise kommt Flatex mit weniger als zwei Dutzend Mitarbeitern aus, obwohl die Depotanzahl kürzlich bereits die Marke von über 56.000 erreichte. Die Depots und Konten werden bei der biw Bank verwaltet. Die Wachstumsraten sind noch enorm: Von knapp über 10.000 Depots Ende 2006 ging es über 30.000 Ende 2007 im letzten Jahr um weitere 60 % nach oben. Konkurrenten wie sino, DAB oder comdirect befinden sich im Vergleich zu Flatex längst in der Reifephase und haben im Zuge der Finanzkrise mit zurückgehenden Orderzahlen zu kämpfen, teilweise sogar mit sehr stark rückläufigen Zahlen.

Profitabilität erreicht

Machte Flatex in den ersten sechs Monaten des letzten Jahres noch einen Verlust von 0,12 Mio. Euro, so kam zur Jahresmitte 2009 schon ein Gewinn von 0,27 Mio. Euro heraus. Sowohl bei der Zahl der Transaktionen sowie beim betreuten Kundenvolumen verzeichneten die Kulmbacher neue Rekordstände. Die Trades schossen gleich um 88 % auf 1,8 Mio. nach oben, angefeuert durch Neugeschäft mit dem Trendprodukt CfD (Contracts for Difference). Das Kundenvermögen erhöhte sich dem gegenüber jedoch nur um ein Drittel auf 744 Mio. Euro. Konzernchef Müller erwartet dank CfD-Boom (dann auch auf Fremdwährungsinstrumente wie amerikanische Indizes, ausgewählte Währungen, Rohstoffe und Zinsprodukte) daher auch im zweiten Halbjahr weiteren Rückenwind. CfDs jedenfalls, so viel steht fest, liegen derzeit im Trend.

PEG von ungefähr 1

Rein fundamental ist die Aktie trotz Kursrückgang um etwa ein Drittel gegenüber dem Ausgabepreis noch kein richtiges Schnäppchen. Das KGV auf Basis eines angenommenen Wachstums 2009 von 20 bis 40 % sinkt zwar entsprechend auf 20 bis 25, je nach Güte der Ganzjahresprognose. Im Vergleich zu comdirect, DAB bank und sino ist das jedoch noch hoch, wobei man hier berücksichtigen muss, dass Flatex als Einziger der zuvor genannten wirkliches Wachstum bei Trades und Depots vorweisen kann. Immerhin: Die Wachstumsraten sind grob ungefähr so groß wie das KGV, so dass sich ein Price-Earnings-Growth (PEG) von etwa 1 ergibt – das relativiert das optisch hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis wieder auf ein vertretbares Maß.

Fazit

Die Aktie ist nach wie vor interessant. Ein gutes Börsenumfeld vorausgesetzt, dürfte die Kulmbacher Innovationsschmiede davon überproportional profitieren – Flatex ist praktisch so etwas wie ein Call auf eine halbwegs stabile Börse. Wer diese Perspektive teilt, der sollte über den Online-Broker als Depotbeimischung nachdenken. Zielmarke ist zunächst die Rückeroberung des Ausgabepreisniveaus – auch dem Unternehmen selbst dürfte daran allein schon aus Imagegründen gelegen sein.

Für den Inhalt dieses Artikels ist die Redaktion des Performaxx-Anlegerbriefs verantwortlich. Der Performaxx-Anlegerbrief zählt mit einer Musterdepotperformance von über 706 % seit 1.1.2001 zu Deutschlands erfolgreichsten Börsenbriefen.

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