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Veröffentlicht von Redaktion "fonds kompakt" am 27.10.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 27.10.2010:

Börsenbrief fonds kompakt
fonds kompakt

Weimer Media Group GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Januar 2000

Ein Investment mit Bodenhaftung

Die ökonomische Welt des kommenden Jahres scheint zweigeteilt: Einerseits boomen viele Schwellenländer in Asien und Lateinamerika. Andererseits wird sich das Wachstum in den Industriestaaten erheblich abschwächen. Welche Folgen diese Diskrepanz für die Aktienmärkte haben wird, dürfte vor allem von der Leitbörse New York abhängen. Doch die Wall Street will nicht so recht in Schwung kommen. Für weniger risikobereite Investoren bieten sich in dieser ungewissen Situation Wandelanleihenfonds an.

Investoren am Rentenmarkt haben es schwer. Erstklassige Staatsanleihen in Euro, US-Dollar, Franken oder Yen bieten geradezu lächerlich niedrige Renditen. Firmenbonds sind kaum eine Alternative, fallen die Zinsaufschläge doch kaum ins Gewicht – zumindest bei guter Bonität des Emittenten. Um als Anleger ansehnliche Verzinsungen einzustreichen, bleibt im Grunde genommen nur eines übrig: Das Eingehen größerer Risiken entweder durch den Wechsel in Hochzinswährungen oder durch den Erwerb von Bonds mit schlechtem Rating. Es gibt allerdings eine weitere Möglichkeit: Wandelanleihen. In Deutschland fristet diese Wertpapierart ein Mauerblümchendasein, aber an vielen ausländischen Börsen wie zum Beispiel in Zürich werden die Wandler rege gehandelt. Diese Obligationen stellen eine Mischung aus Anleihe und Aktie dar. Grundsätzlich sind Wandelanleihen festverzinsliche Wertpapiere, Kupon und Laufzeit stehen von Anfang an fest. Als Schmankerl für den Käufer des Bonds kommt ein Wandelrecht hinzu: Der Bond kann während der Laufzeit zu bestimmten Bedingungen in Aktien des Emittenten getauscht werden. Nach der Wandlung hat der Besitzer keine Anleihe mehr, sondern stattdessen Aktien im Depot. Deshalb orientiert sich der Kurs einer Wandelanleihe in Haussephasen stark am Aktienkurs. Fallen die Börsennotierungen hingegen, sorgen die garantierte Tilgung und die festen Kupons für eine Kursuntergrenze, den Bond Floor. In Asien spielt die Musik Die Sicherheit der Zins- und Tilgungszahlungen hängt wie bei gewöhnlichen Unternehmensanleihen von der Bonität des Emittenten ab. Diese kann sich relativ zügig verändern, insbesondere bei kleineren und mittleren Firmen. Diversifikation ist daher oberstes Gebot. Marktexperten bevorzugen zudem Investments im Fernen Osten. „Immer noch rentieren asiatische Wandelanleihen im Schnitt rund 2% höher als Papiere gleicher Qualität in Europa oder den USA“, meint Kurt Fisch, Senior Portfolio Manager der Schweizer Vermögensverwaltung Fisch Asset Management. In Asien werden verstärkt Wandler mit Volumina von mehr als einer Mrd. US-Dollar begeben. Von Januar bis September kamen Neuemissionen über 28 Mrd. US-Dollar auf den Markt. Beim Spitzenreiter USA waren es 30,8 Mrd. US-Dollar, während Europa mit 18,8 Mrd. US-Dollar klar abgeschlagen ist. Diese Zahlen machen allerdings auch deutlich, dass Wandelobligationen auf dem riesigen Rentenmarkt nur eine kleine Nische bilden, in der sich meist Spezialisten tummeln. Nur eine tolle Performance rechtfertigt hohe Kosten Eine Ausnahme ist der DWS Convertibles, der vom globalen Aktienfondsteam der DWS verwaltet wird. Die Auswahl der Investments orientiert sich vorrangig an der Aktie und dem Unternehmen. Die Besonderheiten der Wandelanleihe nehmen die Analysten erst an zweiter Stelle unter die Lupe. Deshalb hält der Fonds bei steigenden Kursen gut mit anderen Aktienfonds mit. Das Delta – also die Korrelation mit der Performance an den globalen Börsen – beträgt in Haussezeiten 0,7. In Baissephasen kann das Fondsmanagement das Delta auf bis zu 0,35 zurückfahren, indem es die Liquiditätsquote auf bis zu 20% erhöht und die Aktienquote (maximal 10%) senkt. Bis 2009 funktionierte diese Taktik glänzend: Der DWS Convertibles schaffte regelmäßig eine ansehnliche Outperformance zu seinen Konkurrenten. Doch in diesem Jahr läuft es weniger gut: Mit 4% blieb die Wertentwicklung um 3,8 Prozentpunkte hinter dem Durchschnitt der Fondskategorie zurück. Besser schnitt das Luxemburger Pendant DWS Invest Convertibles ab, das seit Jahresbeginn ordentliche 7,3% Wertzuwachs schaffte. Allerdings liegt die Gesamtkostenquote (TER) von 1,44% erheblich höher als beim älteren DWS Convertibles, der nur 0,85% per annum in Rechnung stellt. Kostenbelastungen von 1,2% bis 1,5% jährlich sind in diesem Fondssegment nicht ungewöhnlich. Es gibt allerdings auch Ausreißer nach oben wie zum Beispiel den LiLux Convert. Dessen TER betrug zum 31. März 2010 fast 2,9%. Der Fonds legte in der Vergangenheit aber eine beeindruckende Performance aufs Börsenparkett: 2010 schaffte das Management ein Plus von 10%. Auf 5-Jahres-Sicht kletterte der Anteilswert um 8,8% per annum. Damit liegt der LiLux Convert in der Spitzengruppe, beträgt der Kategoriedurchschnitt in diesem Zeitraum doch lediglich rund 3%. Fondsmanager des LiLux Convert sind risikofreudig Selbst gute Fonds wie die beiden DWS-Vertreter oder der F&C Global Convertible Bond schafften nur gut 5% Performance per annum. Der LiLux Convert ist beileibe kein Fonds für risikoscheue Investoren. Denn das Portfolio enthält riskante Bonds und ist stark konzentriert: Auf die zehn größten Positionen entfallen mehr als 70% des Vermögens. Außerdem ist das Portefeuille zu über 50% auf Kredit finanziert. Der Fremdkapitaleinsatz steigert die Rendite, kann aber auch zu herben Verlusten in Baissephasen führen. Dagegen steckt beim M&G Global Convertibles nicht einmal ein Viertel des Fondsvermögens in den Top 10-Positionen. Käufe auf Kredit kommen nicht infrage – und die Performance kann sich sehen lassen: Auf Drei-Jahres-Sicht schaffte Leonard Vinville, der seit Juli 2007 für den Fonds verantwortlich ist, ein Plus von 2,9% per annum. Auf den ersten Blick nicht viel, aber immerhin 2,9% mehr als der Durchschnitt. Sogar einen Wertverlust musste der LO Funds Convertible Bond der Genfer Bank Lombard Odier hinnehmen. Der Verzicht auf einen Ausgabeaufschlag ist in dieser Situation auch kein Trost für die Anteilseigner. Zumal viele Wandelanleihenfonds an deutschen Börsen gehandelt werden. Dadurch lassen sich die Ausgabeaufschläge (in der Regel etwa 3%) vermeiden. Allerdings fallen für eine Order an der Börse Provision sowie Courtage an. Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis beträgt meist 0,9%. Fazit: Am Rentenmarkt bieten nur noch wenige Bereiche ansehnliche Renditen. Als Nischenmarkt sieht das Segment Wandelanleihen recht viel versprechend aus. Eine Streuung der Risiken ist jedoch bei Firmenbonds unverzichtbar. Dazu eignen sich Fonds besonders gut. Die Wertentwicklung auf mittlere und längere Sicht differiert überraschend stark. Käufe auf Kredit und Papiere mit mieser Bonität steigern die Performance, erhöhen aber auch das Verlustrisiko in schlechten Börsenzeiten.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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