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Veröffentlicht von Redaktion "PortfolioJournal" am 19.01.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 19.01.2010:

Börsenbrief PortfolioJournal
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Drum prüfe, wer sich langfristig bindet

Ziel- oder Lebenszyklusfonds gelten als idealer Baustein in der Altersvorsorge. Während diese Anlageform in den USA äußerst beliebt ist, fristet sie in Deutschland ein Schattendasein. Bankberater empfehlen die Fonds in der Regel nicht – es lässt sich schlichtweg kaum Geld verdienen.

Es ist das alte Mantra der Anlageexperten: Wer langfristig investieren will, der kommt an Aktien nicht vorbei. Doch deutsche Anleger sind mehrheitlich konservativ und fürchten die Volatilität der Aktienmärkte. Ende 2009 gab es nur noch 8,8 Millionen Aktionäre, was einer Quote von 13,6 Prozent an der Bevölkerung entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Menschen, die direkt oder über Fonds in Aktien investiert sind, um fünf Prozent, berichtet das Deutsche Aktieninstitut (DAI). Gegenüber dem Platzen der Internet-Blase zu Beginn der letzten Dekade schrumpfte die Zahl der Aktionäre sogar um 30 Prozent. Das deutsche Faible für Sparbücher und Bundesschatzbriefe sorgt in der Finanzbranche für Kopfschütteln. Die Bundesbürger lassen über die Jahre aus Angst vor Risiken unnötig Rendite liegen. Aktien sind als Anlageform nur schwer schlagbar, bei langfristigen Investments sind bis zu sieben Prozent pro Jahr drin. Dabei gilt: Mit dem fortschreitenden Lebensalter sollte der Aktienanteil im Portfolio sukzessive reduziert werden. Dahinter steckt eine einfache Idee. Ein junger Mensch hat sowohl Finanzvermögen als auch Arbeitskraft. Dieses Arbeitsvermögen muss wie eine festverzinsliche Anlage betrachtet werden, denn es bringt in der Regel stetige und planbare Einkünfte. In jungen Jahren sollte der Anleger im Hinblick auf die gebotene Diversifikation nicht auch noch sein Finanzvermögen in festverzinslichen Investments parken, sondern in Aktien. Das höhere Risiko wird mit einer höheren Rendite vergütet. Mit dem näher rückenden Zeitpunkt der Rente sollte das Vermögen zunehmend in sichere Anlagen umgeschichtet werden, denn die Arbeitskraft verliert an Bedeutung. Nischendasein in Deutschland Soweit die Begründung der Wirtschaftswissenschaft. In der Realität gestaltet sich die Situation etwas komplexer. Mit dem aktiven Management eines eigenen Portfolios wären viele Anleger sicherlich auf Dauer überfordert. Aber die Industrie hat Abhilfe geschaffen: Seit rund vier Jahren gibt es sogenannte Ziel- oder Lebenszyklusfonds, die im Laufe der Zeit von Aktien auf festverzinsliche Papiere umsteigen. Der Zeitpunkt der Auszahlung des Geldes wird vorher festgelegt. Die Anbieter bejubelten die Fonds lange als Modell der Zukunft, die Werbung versprach die ideale Geldanlage für jeden Sparer. Damit hatten sie, einen langen Anlagehor izont vorausgesetzt, auch recht. Doch das charmante Modell will in Deutschland nicht so recht zünden. Derzeit gibt es hierzulande rund 80 Fonds, die einen Horizont von 30 bis 40 Jahren abdecken. Im Schnitt haben sie ein Volumen von nur zehn Millionen Euro. 2009 vermeldeten nur Fidelity und Deka Zuflüsse. Auf der anderen Seite war die Resonanz so gering, dass viele Fonds klammheimlich das Zeitliche gesegnet haben. Die DWS, Fonds-Tochter der Deutschen Bank, hat ihre Vehikel mit den Zieljahren 2025, 2030 und 2035 wegen des geringen Zuspruchs geschlossen. JP Morgen machte gleich fünf Fonds dicht. Besonders bitter: Wer vor 2009 eingestiegen ist, muss sich jetzt nicht nur wieder selbst um die Geldanlage kümmern, sondern zukünftig Abgeltungssteuer bezahlen – die wird nämlich bei Umschichtungen innerhalb eines Fonds nicht fällig. Problem mit Provisionen Das Problem ist, da sind sich Experten einig, bei den Bankberatern zu suchen. Die bekommen nur für neue Abschlüsse Geld. Wer sich für zehn oder mehr Jahre über einen Zielfonds bindet, wird sich lange zeit nicht bei seinem Berater blicken lassen. Im provisionsbasierten Vertrieb wird den Fonds von daher keine Chance eingeräumt, allenfalls im Over-the- Counter-Geschäft. In den USA hingegen sind die Fonds der Renner – hier gilt jedoch das Prinzip der Beratung gegen Honorar. Dass das Modell der Lebenszyklusfonds an sich auch in Deutschland funktioniert, beweisen institutionelle Investoren wie Versicherungen. Die müssen den Kunden in ihren Kapitallebensversicherungen eine Grundverzinsung garantieren. Deswegen fragen sie Zielfonds mit Garantien nach. Die Flexpension-Fonds von DWS beispielsweise umgehen das Thema Aktien deswegen vollständig - auch bei langfristigen Laufzeiten - und sind entsprechend renditearm, verwalten jedoch 2,6 Milliarden Euro. Schließlich will der Anbieter selbst kein Risiko eingehen, im Bedarfsfall Geld nachzuschießen. Die Fonds, die in ähnlicher Form auch Fortis und Deka im Angebot haben, werden übrigens zudem an Privatanleger verkauft. Dort werden ihnen jedoch keine Chancen eingeräumt. Geringe Renditen bei hoher Sicherheit bieten Bundesschatzbriefe schließlich auch – und das ohne Managementgebühren. Ohnehin halten Exper ten die zyklischen Fonds ohne Garantien für überlegen. Allerdings gibt es auch hier Schwachpunkte. Viele Fonds können nicht angemessen auf eine Baisse reagieren, indem sie den Aktienanteil vorübergehend stark reduzieren. Oftmals müssen die Verluste bei RückschlaÅNgen am Markt ausgesessen werden, weil die Regularien entsprechende Vorgaben machen. Deswegen wird dazu geraten, nur in wirklich aktiv gemanagte Fonds einzusteigen, die außerdem über ein breites Anlageuniversum verfügen. Der Dachfondsspezialist Sauren beispielsweise schichtete während der Krise in Wandel-, Unternehmens- und Hochzinsanleihen um. Zudem muss bei dem Verlauf der Aktienquote ganz genau hingeschaut werden. Es gibt Fonds, die noch fünf Jahre vor der Ausschüttung mit 50 Prozent in Aktien investiert sind. Wachstum bei betrieblicher Altersvorsorge Das Thema Lebenszyklusfonds wird allerdings von einer ganz anderen Seite befeuert. Arbeitgeber bieten ihren Mitarbeitern zunehmend eine private Betriebsrente an und investieren diese in den Fonds. Dabei garantiert der Brötchengeber und nicht der Anbieter. Die Laufzeiten machen es zudem sehr unwahrscheinlich, dass der Garantierfall eintr itt. Fidelity verzeichnet einen Großteil der Zuflüsse aus diesem Bereich. Außerdem hofft die Industrie, dass Investitionen in Zielfonds wie in den USA staatlich gefördert werden könnten. Für eine Riester-Förderung müsste allerdings eine ganze Reihe von Vorschriften eingehalten und für das eingezahlte Kapital garantiert werden, was eher unwahrscheinlich ist. Insofern dürften die Lebenszyklusfonds bei Privatanlegern weiterhin ein Nischenprodukt bleiben.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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