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Veröffentlicht von kurs plus GmbH am 15.07.2011

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 15.07.2011:

Börsenbrief PortfolioJournal
PortfolioJournal

kurs plus GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit Februar 2005

Der wahre Wert der Familie

Ob BMW, Fielmann, oder Swatch: Familienunternehmen gelten als solide geführt, sind kapital- und renditestark. Einige Fonds haben sich auf dieses vielversprechende Segment spezialisiert, trotzdem ist das Angebot klein. Dabei ist der gute Ruf der Familienunternehmen durchaus berechtigt.

 

Gerade in turbulenten Zeiten sind Beständigkeit und seriöses Unternehmertum gefragt. Der gute, alte Familienunternehmer ist immer noch Sinnbild dieser Tugenden. Gerade in Deutschland mit seiner mittelständisch geprägten Wirtschaft ist dieses Image weit verbreitet. Aber ist dieses Modell auch ein Garant für Erfolg? „Erfolgreiche Familienunternehmen sind deshalb häufig effizienter als der Markt, da das Kapital und die Entscheidungsgewalt im Unternehmen typischerweise in einer Hand gebündelt sind. Außerdem zeichnen sie sich durch niedrige Kapitalaufnahme, Fokussierung auf Nischenstrategien, hohe Flexibilität und kurze, wirksame Entscheidungswege aus“, heißt es bei dem Vermögensverwalter Grossbötzl, Schmitz & Partner. Nicht zuletzt schütten sie häufig eine Dividende aus und denken langfristig.

Die Düsseldorfer Vermögensverwalter haben mit dem im November 2003 aufgelegten Kapitalfonds L.K. Family Business einen Fonds im Angebot, der als einer der Vorreiter unter den SSFIFonds gilt. Diese Abkürzung steht für „Stocks with a Significant Family Influence“. 2010 verbuchte der L.K. Family Business eine Performance von 22,77 Prozent, während der Euro Stoxx 600 als Benchmark nur um 2,69 Prozent zulegte. Die Investoren setzen inzwischen vermehrt auf dieses Modell. Das Fondsvolumen summierte sich Ende 2010 auf 153 Millionen Euro und hat sich damit im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Im Segment der Investments in Familienaktien ist der L.K. Family Business damit nach eigenen Angaben der größte Aktienfonds.

Die meisten SSFI-Fonds setzen voraus, dass die Gründerbzw. Eignerfamilie mit einem signifikanten Anteil in dem Wert investiert ist. Oftmals wird hier eine konkrete Grenze festgelegt, die sich zumeist bei 25 oder 30 Prozent bewegt. Der Anlageschwerpunkt des L.K. Family Business beispielsweise liegt auf europäischen Unternehmen in den klassischen Industrien und Dienstleistungen. Zu den größten Einzelpositionen gehören das Brauereiimperium Heineken, das deutsche Modelabel Bijou Brigitte und die Medienholding Mediaset, bei der Italiens umstrittener Ministerpräsident Silvio Berlusconi das Sagen hat.

Der L.K. Family Business ist ein herausragendes Beispiel in dem übersichtlichen SSFI-Segment. Andere Fonds wie der FT Unternehmerwerte von Frankfurt-Trust treiben das mühsame Stockpicking auf die Spitze. Im Portfolio finden sich Werte wie der norwegische Tiefsee-Bohrspezialist Seadrill oder die Einzelhandelskette Guyenne et Gascogne wieder, die in Südfrankreich und Spanien operiert.

Bei der Performance kann der Fonds seinen Vergleichsindex nicht immer schlagen. Hier lässt sich sogar ein Muster, das für viele SSFI-Fonds gilt, ablesen: In schlechten Zeiten sind die Verluste höher als die des Benchmarks, in guten Zeiten gibt es eine Outperformance. Experten erklären diese Entwicklung damit, dass viele Familienunternehmen in den zyklischen Branchen Handel, Industrie und Konsum aktiv sind. Allerdings: Langfristig bewegen sich die Märkte nach oben.

Unter Experten ist umstritten, ob die Familienunternehmen tatsächlich das bessere Investment sind. Pauschal kann dies nicht bejaht werden, auch wenn diverse Studien den SSFIs einen Vorteil gegenüber „klassischen“ Unternehmen attestieren. Kritiker hingegen sagen, dass an den Börsen die Eigentümerstruktur zunächst nicht so wichtig ist – in erster Linie entscheiden die Zahlen.

Tatsächlich ist die arbeitsintensive Auswahl der richtigen Titel der Schlüssel zum Erfolg. Die Manager des L.K. Family Business schauen sich nicht nur das Unternehmen, sondern auch die Familie dahinter an. Hier muss genau hingeschaut werden: Gibt es eine Nachfolgeregelung? Noch wichtiger ist eine Fa- milienverfassung, die potenzielle Streitpunkte im Vornherein regelt. Letztlich gibt es 22 qualitative und quantitative Kriterien, die ein Kandidat für den Fonds erfüllen muss.

Ein Unternehmen derart intensiv zu durchleuchten und hinterher zu beobachten, verursacht eine Menge Arbeit. Wohl auch deshalb ist das Angebot in dem Segment schnell zu überschauen. Neben Frankfurt Trust und Grossbötzl, Schmitz & Partner haben die Fondsboutiquen Bellevue Asset Management und carmignac Gestion entsprechende Fonds im Portfolio.

Einfacher wäre es natürlich, einfach einen Index abzubilden. Es lohnt sich jedoch nicht unbedingt, auf den German Entrepreneurial Index (GEX) zu setzen, wenn man die Vorzüge der klassischen Familienunternehmen in Anspruch nehmen will. Hier sind zumeist geringer kapitalisierte Technologiewerte aus Deutschland vertreten. Zudem weist der GEX eine gewisse Fluktuation bei den Indexmitgliedern auf, ist also nicht unbedingt für langfristige Anlagen geeignet. Am GEX kann man am leichtesten über Zertifikate partizipieren.

Letztlich ist zu bedenken: Familienunternehmer sind auch nur Menschen und machen Fehler. Ein gutes Beispiel ist BMW mit dem Klatten-clan als Ankeraktionär. Die Übernahme von Rover erwies sich im Nachhinein als Fehltritt. Doch die Eigner schreckten auch nicht vor drastischen Schritten zurück. Nach sechs wurde das britische Abenteuer wieder beendet. Zum Vergleich: Die kostspielige Ehe von Daimler und chrysler währte neun Jahre. 

 


Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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