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Veröffentlicht von Performaxx-Anlegermedien GmbH am 30.08.2010

Centrotherm Photovoltaics: Wieder auf der Sonnenseite

Centrotherm Photovoltaics: Wieder auf der Sonnenseite

Als wir im Oktober 2009 letztmalig die Centrotherm Photovoltaics AG, einen der weltweit führenden Ausrüster der Photovoltaikindustrie, unter die Lupe nahmen, lautete unsere Empfehlung noch „Abwarten“; trotz der insgesamt überzeugenden längerfristigen Perspektiven sahen wir angesichts der seinerzeit durchwachsenen Entwicklung beim Auftragseingang und Gewinn zunächst die Chance auf tiefere Einstiegskurse. Als aber die Aktie kurz nach unserer Analyse zu einem Höhenflug ansetzte, erwies sich diese Strategie als zu vorsichtig – vorübergehend. Denn die Zahlen zum zweiten Halbjahr 2009 brachten dann tatsächlich die von uns befürchtete Abkühlung, der Aktienkurs rutschte infolgedessen deutlich unter das Niveau unserer letzten Besprechung. Erst die Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal 2010 brachte eine Trendwende, bis Anfang August erholte sich der Wert auf 32 Euro und damit auf das Niveau vom Oktober letzten Jahres. Und seitdem geht es weiter aufwärts, mit einem 30-Tage-Plus von 26 % gehört die Aktie inzwischen zu den Spitzenreitern im TecDax – der Auftakt einer nachhaltigen Rallye?

Starke Quartalszahlen Zumindest der Bericht zum zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres legt diese Vermutung nahe. Denn der Maschinenbauer aus Blaubeuren in Baden-Württemberg konnte zwischen April und Juni nicht nur erheblich an Umsatzdynamik zulegen, sondern auch einen deutlich überproportionalen Gewinnanstieg verbuchen. So lagen die Dreimonatserlöse zuletzt bei 163,0 Mio. Euro und damit um 22 % über dem Vorjahreswert, während zu Jahresanfang noch ein zwölfprozentiger Rückgang angefallen war. Das EBIT, das im ersten Quartal noch um fast ein Drittel unter seinem Niveau von 2009 lag, konnte im zweiten Vierteljahr sogar um 115 % gesteigert werden. Durch diese Zugewinne liegen nun auch die kumulierten Halbjahreszahlen über den entsprechenden Vorjahreswerten: der Umsatz (278,3 Mio. Euro) um 5,4 % und das EBIT (33,9 Mio. Euro) sogar um 31,3 %. In ähnlicher Größenordnung konnte auch das Nettoergebnis erhöht werden, so dass die Nettoumsatzrendite nach sechs Monaten bereits die ansehnliche Marke von 8,2 % erreichte. Besonders stark entwickelte sich im Berichtszeitraum das asiatische Geschäft, das allein im zweiten Quartal um rund 40 % zulegte und inzwischen mehr als 85 % aller Erlöse beisteuert. Letztendlich spiegelt diese Entwicklung die Trends der Photovoltaikbranche wider, die in Fernost weiterhin in großem Stil Kapazitäten aufbaut und hierfür die Ausrüstung benötigt. Als Anbieter von Einzelanlagen als auch von kompletten Produktionslinien gehört Centrotherm hierbei zu den wichtigsten Profiteuren. Insbesondere wenn es darum geht, Neueinsteigern schlüsselfertige Fabrikationsstätten zu liefern, gehören die Süddeutschen zu den führenden Anbietern. So konnten sie im letzten Jahr mit der Lieferung einer schlüsselfertigen Solarzellenfabrik Hyundai beim Einstieg in den Photovoltaikmarkt begleiten, dieses Jahr folgte mit LG Electronics ein zweiter koreanischer Großkonzern, für den zwei Produktionslinien für Solarzellen aufgebaut wurden. Auftragsschub für Siliziumanlagen Nichtsdestotrotz waren die Halbjahresumsätze aus dem Verkauf von schlüsselfertigen Produktionslinien im Vorjahresvergleich deutlich rückläufig, von 113 Mio. Euro auf knapp 35 Mio. Euro. Allerdings handelt es sich hierbei aufgrund der riesigen Projektvolumina ohnehin um eine sehr sprunghafte Größe, die im Vorjahr eben durch die Abrechnung des besagten Hyundai-Auftrags nach oben getrieben wurde. Die Breite der Nachfrage zeigt sich hingegen stärker in den Verkäufen von Einzelequipment, die von 111,7 auf 228,9 Mio. Euro zulegten. Nicht zuletzt diese lebhafte Nachfrage hat das Management dazu bewogen, die eigene Umsatzprognose für 2010 von 550 bis 580 Mio. Euro auf 580 bis 600 Mio. Euro anzuheben. Eine besondere Dynamik verspricht sich das Unternehmen hierbei aus dem Segment Silizium & Wafer, auf das im ersten Halbjahr zwar nur ein Drittel der Umsätze, dafür aber mit 638 Mio. Euro drei Viertel des Auftragsbestandes (zum 30.06.) entfiel. Dazu gehört beispielsweise die (inzwischen in Betrieb genommene) Fertigungsanlage in Taiwan, mit der der Kunde, Taiwan PolySilicon Corp., jährlich 5.000 Tonnen Solarsilizium herstellen wird. Außerdem konnte Centrotherm im zweiten Quartal einen Auftrag im Volumen von 150 Mio. Euro aus Katar verbuchen, der die Lieferung von Ausrüstung und Engineering-Leistungen für den Bau und die Inbetriebnahme der ersten Silizium-Produktionsstätte auf der arabischen Halbinsel vorsieht. Fazit Insgesamt also lässt sich ein klarer Aufwärtstrend erkennen, noch bessere Ergebnisse wurden lediglich durch die Probleme im Segment Dünnschichttechnologie verhindert. Hier war im ersten Halbjahr bei einem stark rückläufigen Umsatz ein hoher Verlust (16 Mio. Euro) angefallen, den das Unternehmen allerdings (noch) als Vorleistung zur Entwicklung einer kompletten Fertigungslinie mit einem branchenweit noch nicht erreichten Wirkungsgrad versteht. Das Vorhaben wird derzeit in Zusammenarbeit mit einem Pilotkunden umgesetzt, der nach Centrotherm-Angaben für das vierte Quartal mit der Auslieferung der ersten Module plant. Nach unserer Auffassung stellt dieses Projekt derzeit den größten Risikofaktor, gleichzeitig aber auch eine beträchtliche Aufwärtschance dar, sofern der angestrebte technologische Durchbruch tatsächlich gelingt. Doch angesichts der starken Positionierung in den übrigen Geschäftsfeldern ist Centrotherm nicht zwingend darauf angewiesen und mit einem von uns geschätzten KGV von 15,9 inzwischen auch nicht mehr teuer. Aus diesem Grund nehmen wir die Aktie in unsere Empfehlungsliste auf.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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