Bwin-Übernahme droht doch noch zu platzen

Veröffentlicht am 23.04.2016

Neuesten Gerüchten zufolge könnte die geplante Übernahme von Bwin durch die englische GVC-Holdings doch noch platzen. Nachdem man sich in einem langen Bieterwettlauf gegen den Konkurrenten 888 durchgesetzt hatte und der Poker damit beendet schien, ist es offenbar nicht ausgeschlossen, dass es mit der Fusion nicht klappt.


Grund ist der plötzlich rasant fallende Wert der GVC-Aktien, die Teil des Deals waren.


Screenshot von Ariva.de

Es war ein wochen-, ja monatelanges, nervenaufreibendes Gezerre. Im Sommer 2014 hatte der österreichische Online-Glücksspiel-Gigant Bwin-Party angekündigt, Übernahme-Angeboten offen gegenüberzustehen und sich damit zum Verkauf gestellt. In der Folge positionierten sich vor allem zwei ernsthafte Interessenten: Die in London ansässige GVC Holdings, der unter anderem der Online-Wetten-Anbieter „Sportingbet“ gehört, sowie der Poker-Spezialist „888“, der ebenfalls aus England stammt. Wochenlang war das Rennen offen, im Juli wurde sich Bwin-Party plötzlich mit 888 einig.

Kurz nachdem die Einigung verkündet worden war, stellte sich jedoch heraus, dass der Deal noch platzen könnte. Die amerikanische Großbank JP Morgan Barclays, die an der Finanzierung des Kaufpreises beteiligt werden sollte, hatte plötzlich einen Rückzieher gemacht. Somit stand die Übernahme des österreichisch-gibraltarischen Online-Poker- und Sportwetten-Riesen (Netto-Umsatz 2013: 609 Millionen Euro) durch das viel kleinere 888 (263 Mio. Euro) auf der Kippe.

GVC gewinnt das Bieterrennen im zweiten Anlauf

Das rief erneut die noch kleinere GVC Holdings (168 Mio. Euro) auf den Plan, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits von Verhandlungspartner Amaya Inc. getrennt, mit dem man sich zunächst gemeinsam für die bwin-Übernahme beworben hatte. GVC startete ein neues Angebot und bot 1,4 Milliarden Euro für Bwin-Party. Teil des Deals sollten Aktien des neuen Konzerns sein, die direkt an die Bwin-Party-Aktionäre wandern sollten. Diese hätten somit zwei Drittel des neugeschaffenen Branchenriesen gehalten. Für die kleine GVC Holdings ist der Deal ein absolutes finanzielles Wagnis. „GVC lehnt sich mit dem Übernahmeangebot extrem weit aus dem Fenster,“ hatte Heinz Patzelt von wettanbieter.de schon bei Bekanntwerden des jüngsten GVC-Angebots geschrieben. „Das finanzielle Risiko ist enorm.“

Wie viele Experten schon befürchteten, gibt es jetzt ein Problem, das die ganze Fusion gefährden könnte: Seit Verkündung der Übernahme ist der Aktienkurs der GVC Holdings rasant in den Keller gegangen. Ob die Aktionäre der Bwin-Party-Gruppe sich jetzt noch mit der Vereinbarung zufrieden geben, Aktien von GVC anstatt Bargeld zu erhalten, ist äußerst fraglich. Durch den niedrigen Wert der Anteilspapiere ist das Angebot von GVC fast so niedrig wie das der Konkurrenz von 888, die man zunächst deutlich überboten hatte.

Schwache GVC-Aktien: Fusions-Deal steht auf der Kippe

Wie The Independent schreibt, haben Beobachter nun die Logik infrage gestellt, sich für fast den gleichen Preis an einen kleineren „Player“ zu verkaufen. Ob die Bwin-Party-Verantwortlichen dem Deal unter diesen Konditionen noch zustimmen, scheint jedenfalls absolut fraglich. Zunächst war angenommen worden, dass der Deal reibungslos über die Bühne geht. Aktionäre der Bwin-Party sollten mit einer Übernahme-Prämie von 40 Prozent gelockt werden. Der mittlerweile wackelnde Übernahme-Deal soll spätestens im ersten Quartal 2016 über die Bühne gebracht worden zu sein.

GVC erhofft sich von der Übernahme des Online-Riesen eine verbesserte Marktstellung. Zudem plant man, durch gehobene Synergien ab 2018 rund 125 Millionen Euro jährlich einsparen zu können. Bei Bwin-Party hatten die Verantwortlichen den Schritt der „feindlichen“ Übernahme forciert, nachdem die Online-Poker-Geschäfte in Europa zuletzt gestockt hatten und die eigene Aktie sich nicht wie gewünscht entwickelte.

Fusion mit einem Konkurrenten ist für Bwin-Party auch kein Fremdwort – der österreichische Sportwette-Experte Bwin sowie die in Gibraltar ansässigen Glücksspiel-Unternehmer von Party-Poker schlossen sich erst 2011 zum jetzigen Unternehmen zusammen, die Zusammenarbeit florierte allerdings nicht so wie erhofft.

Schon die dritte große Fusion in diesem Sommer

Ein wichtiger Grund für den angestrebten Zusammenschluss sind auch die zunehmende staatliche Kontrolle und die immer strenger werdenden steuerlichen Auflagen. Bwin-Party und GVC sind derzeit bei weite nicht die einzigen, die sich auf dem Glücksspielmarkt aus diesen Gründen um Konsolidierung bemühen. Allein in diesem Sommer hatte es bereits zwei weitere Milliarden-Deals gegeben: Im Juni verkündeten Sportwetten-Riese Ladbrokes und der Glücksspielkonzern Gala Coral ihren Zusammenschluss.

In der Folge sorgte der irische Wettanbieter Paddy Power für eine Kuriosität: Den Zusammenschluss der Konkurrenz kommentierte man auf Twitter mit dem Scherz, man würde sich ob der neuesten Entwicklungen nun mit Betfair zusammenschließen und in Zukunft „Betty Power“ nennen. Ende August dann wurde aus dem Scherz Realität: Die Konzerne verkündeten tatsächlich ihre Fusion. Sollte der GVC-Bwin-Party-Deal nun noch wie geplant klappen, wäre er also bereits der dritte große Zusammenschluss in diesem Jahr. Ein Ende ist nicht in Sicht. 888 wird sich, wenn es bei der Bwin-Übernahme weiter außen vor bleibt, nach einer anderen Möglichkeit zur Konsolidierung umsehen.
 

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