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Veröffentlicht von Redaktion "PortfolioJournal" am 16.02.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 16.02.2010:

Börsenbrief PortfolioJournal
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Boom der Energiefonds – ein Marktüberblick

Ich hatte Ihnen in der vergangenen Ausgabe des Portfolio Journals einen Überblick über Fonds gegeben, die in den Bereich „Cleantech“ investieren, also in Firmen, die in den Bereichen Umweltschutz, umweltfreundliche Technologien („Cleantech“) oder Nachhaltigkeit („Sustainability“) tätig sind. Dabei wurden ausschließlich Aktienfonds betrachtet. Fonds, die in „Umweltaktien“ investieren bewegen sich dabei bewusst in verschiedenen, auch sehr kleinen Investitionsnischen, etwa im Bereich der Geothermie. Die Marktkapitalisierung der infrage kommenden Unternehmen ist oft gering, auch ist das hohe Verlust-Risiko dieser hoch spezialisierten Firmen zu beachten.

Mein Fazit zu dem gegebenen Marktüberblick lautete: „Fonds mit Schwerpunkt „Umwelttechnologie“ sind eine sinnvolle Ergänzung eines Aktiendepots, mit großen Chancen, es sind aber sicherlich keine konservativen Fonds. Denn die Fonds sollen ja gerade in neue, innovative – und daher oft kleine - Unternehmen investieren, mit den entsprechenden Risiken und volatilem Aktienverlauf.“ Erweitern wir nun das Thema „Erneuerbare Energien“ um eine weitere Investitionsmöglichkeit, die der unternehmerischen Beteiligungen, also den Bereich der geschlossen Fonds im Gegensatz zu den bisher beschrieben offenen Aktienfonds. Aus Sicht des Portfolio Managements ist das notwendig, denn geschlossene Fonds weisen ein vollkommen anderes Risikoprofil auf als Aktienfonds. Die Entwicklung der Letzteren hängt im Wesentlichen direkt von der allgemeinen Entwicklung der Aktienmärkte ab, während bei unternehmerischen Beteiligungen andere Einflussfaktoren auf das Risikoprofil wirken. Geschlossene Fonds investieren nicht in Aktien, sondern direkt in Anlagen zur Erzeugung von Energie, also in Sonnen-, Wind- oder Biosgaskraftwerke. Dabei sage ich hier ausdrücklich nicht, dass diese Investitionen generell Risiko ärmer sind. Das ist abhängig vom Konzept jedes einzelnen Fonds und wäre jeweils zu prüfen, aber auf Grund der unterschiedlichen Risiko- Parameter stellen geschlossene Fonds eine Risiko diversifizierende Komponente in jedem Portfolio dar, welches Investitionen in Umwelttechnologie enthält. Grund genug also, sich einen Marktüberblick über diesen Bereich zu verschaffen. Dazu hat das unabhängige Analysehaus Scope jetzt eine umfassende Studie vorgestellt, aus welcher ich ihnen die interessantesten Ergebnisse vorstellen möchte: Im Jahr 2009 wurden 556 Millionen Euro Eigenkapital in geschlossene Energiefonds investiert – so viel wie niemals zuvor, und gleichbedeutend mit einem Zuwachs von 150 Prozent gegenüber dem Platzierungszahlen von 2008. Da die Fonds eine durchschnittliche Eigenkapitalquote von knapp 50 Prozent haben, liegt jedoch der insgesamt in Anlagen für erneuerbare Energien investierte Betrag im Bereich um eine Milliarden Euro. 85 Prozent des Eigenkapitals fielen dabei auf Investitionen in Solarenergieanlagen. Abbildung 1 stellt den Anteil der Investitionen in die unterschiedlichen Energiemärkte dar. Besonders signifikant ist der Zuwachs der Investitionen in die Photovoltaik in den Jahren 2008 bis 2009. Zulegen, allerdings auf einem niedrigeren Niveau, konnten Investitionen in Biogasanlagen sowie in die restlichen Energiemärkte (z.B. Geothermie), während Windkraftanagen, nach der Boom-Phase, insbesondere in den Jahren 2000 und 2001, hinsichtlich des Investitionsvolumens vernachlässigbar waren. Das Thema „Photovoltaik“ ist nicht zuletzt auch deshalb bei Anlegern so beliebt, weil Solarfonds ihre Unabhängigkeit von der Finanzkrise - und dem Aktiencrash - in den letzen Jahren unter Beweis stellen konnten. Die Einnahmen aus dem produzierten Strom sind durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) festgelegt. Dieses verpflichtet die Stromkonzerne, Strom aus erneuerbaren Energien in ihre Netze aufzunehmen. Das EEG bietet daher über die Laufzeit der Fonds Planungssicherheit und die Einnahmen der Fonds sind weitgehend unabhängig von konjunkturellen Faktoren. Auch die „Instandhaltungskosten“, die beispielsweise vielen Windkraftfonds die Rendite verhagelten, spielen bei Photovoltaik- Anlagen, auf Grund der geringen Wartungsintensität der Solarmodule, eine untergeordnete Rolle und sind zudem gut kalkulierbar. Zudem hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, das jährliche Ausbauvolumen im Bereich der Photovoltaik auf 3.000 Megawatt zu verdoppeln. Heiß diskutiert wird zurzeit die geplante Senkung der Einspeisevergütung für Neuanlagen –und nur für diese, bestehende Verträge sind davon nicht betroffen. Bereits zum Jahresanfang war eine FoÅNrderungskürzung von 10 Prozent in Kraft getreten. Eine weitere Kürzung wurde bereits angekündigt, Medienberichten zufolge ist der ursprünglich geplante Zeitpunkt, der 1. April 2010, auf den 1. Juni 2010 verschoben worden, da der strenge Winter zu Verzögerungen von Neuinstallationen geführt hat. Betroffen von der Kürzung ist die Förderung von Solaraufdach- sowie Solarfreiflächenanlagen. Die Förderung von Solaranlagen auf Dachflächen soll demzufolge um 16 Prozent gekürzt werden, während Freiflächen mit einer Kürzung von 15 Prozent rechnen müssen. Allerdings muss dazu deutlich angemerkt werden, dass die Kürzung auch ihren realen Hintergrund hat. Die VergütungssaÅNtze werden angesichts des erzielten technischen Fortschritts und der damit verbundenen deutlich gefallenen Preise für Solarmodule gekürzt, um die Stromkunden nicht unnötig zu belasten. Die Kürzung bedeutet also nicht, dass Photovoltaik-Anlagen jetzt per se unrentabel werden, zumal dies auch dem politischen Ziel, nämlich der Ausweitung des Anteils an „grünem Strom“ entgegenwirken würde. Schauen wir uns daher an, wie denn die Emissionshäuser in ihrer Planung für das Jahr 2010 aufgestellt sind. Abbildung 2 zeigt, dass Photovoltaik-Fonds in der Planung der Emissionshäuser immer noch weit vorne stehen. Mein Tipp: Es ist mit einer starken Nachfrage innerhalb des ersten Halbjahres 2010 zu rechnen, nämlich bevor die Kürzungen in Kraft treten und somit die bisherige Einspeisevergütung gesichert werden kann. Interessierte Anleger sollten sich also entsprechend frühzeitig informieren und entsprechend handeln. Ganz spurlos geht die Entwicklung an Fonds insgesamt dann aber doch nicht vorbei. Schauen wir nun auf die bisher – in den Emissionsprospekten prognostizierten – Renditen so fällt auf, dass diese in den letzten Jahren leicht gesunken sind. Die Daten beziehen sich dabei auf alle Energiefonds, wobei aber die Solarenergiem wie erläutert, den Hauptanteil ausmacht. Abbildung 3 macht deutlich, dass die durchschnittlich prognostizierte Rendite nach Steuern über alle Energiefonds von knapp acht Prozent im Jahr 2005 auf 6,26 Prozent im Jahr 2009 gesunken ist. Wohlgemerkt, es handelt sich hier um die Prognose- Renditen. Allerdings zeigen insbesondere die Ergebnisse der Solarfonds der vergangenen Jahre, dass diese auch in der Realität weitgehen erreicht wurden. Abbildung 4 gibt abschließend noch einen sehr interessanten Überblick über die Marktsituation der Energiefonds im Jahr 2009 bezüglich der verschiedenen Anlageparameter. Mein Portfolio Tipp: Das Thema Umweltfonds wird weiter an Bedeutung zunehmen. Investitionen sind in offene Fonds, also in Aktienfonds, sowie in geschlossene Fonds möglich. Ich empfehle aus Gründen der Diversifizierung der Risikostruktur, ausreichend Kapital vorausgesetzt, den Depotanteil entsprechend aufzuteilen. Allerdings müssen Sie sich vor einer Investition sorgfältig informieren und beraten lassen. Allein im Bereich der Photovoltaik sind aktuell fast 30 Fonds in der Planung beziehungsweise bereits in der Realisierung.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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