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Veröffentlicht von Redaktion "Frankfurter Tagesdienst" am 02.11.2010

Amerika wählt

Amerika wählt

Heute werden Millionen von US-Bürgern mit ihren Stimmen über die künftige Zusammensetzung des Senats sowie des Repräsentantenhauses bestimmen. Der seit Wochen intensiv geführte Wahlkampf lässt keinen Zweifel daran, dass es letztlich nur um eine Frage geht: Konnte Präsident Barack Obama die Erwartungen seiner Wähler erfüllen oder überwiegt die Enttäuschung?

Am 20. Januar des vergangenen Jahres übernahm Obama die Amtsgeschäfte von seinem Vorgänger George W. Bush. Mit der ihm auferlegten Bürde, die darin bestand, nicht weniger als alle Probleme der Welt innerhalb kürzester Zeit zu lösen, war eine Enttäuschung vorprogrammiert. Die Hoffnungen, die viele Amerikaner mit dem neuen Präsidenten verknüpft haben, scheinen sich inzwischen in Enttäuschung und Frustration gewandelt zu haben. Es steht außer Frage, dass eine Reihe von Problemen in der ersten Hälfte seiner Amtszeit ungelöst geblieben sind. Die hohe Arbeitslosigkeit und die anhaltende Krise auf dem Immobilienmarkt sind die naheliegenden Nachweise, die Obamas Gegner ihm und den Wählern als Beweis seines Scheiterns unter die Nase reiben. Dem stehen zahlreiche Projekte gegenüber, mit denen Obama in wenigen Monaten mehr bewegt hat, als die meisten seiner Vorgänger in ihrer gesamtem Amtszeit. Mit einer Außenpolitik der Versöhnung hat er das ramponierte Ansehen der USA aufpoliert. Von der von ihm angestoßenen Gesundheitsreform werden viele Amerikaner noch lange nach seinem Wirken profitieren. Mit der Finanzmarktreform hat Obama die Grundlage geschaffen, um weiteren Ausschweifungen à la Lehman Brothers begegnen zu können. Dass es nicht zu mehr gereicht hat, ist weniger Obama zuzuschreiben, sondern seinen politischen Kontrahenten, die trotz seines intensiven Bemühens um überparteiliche Zusammenarbeit wichtige Reformen über Monate blockiert und weichgespült haben. Verlieren die Demokraten ihre Mehrheit im Kongress, wird der Handlungsspielraum Obamas weiter geschmälert. In Zeiten, in denen schnelle und tiefgreifende Reformen angesagt sind, wäre eine solche Entwicklung fatal. Was sie tatsächlich an diesem Präsidenten haben, werden die Amerikaner erst merken, wenn - spätestens nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit - ein Nachfolger gewählt ist. Sarah Palin werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Sie wäre eine würdige Strafe für den Undank, der Barack Obama entgegengebracht wird.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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