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Veröffentlicht von Redaktion "Rohstoff-Report" am 09.04.2010

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 09.04.2010:

Börsenbrief Gold- & Rohstoff-Report
Gold- & Rohstoff-Report

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Agrarrohstoffe: Antizyklische Einstiegschancen?

Die amerikanischen Landwirte haben sich auf die veränderten Gegebenheiten an den Rohstoffmärkten eingestellt, und ihre Strategie entsprechend angepasst. Das ist die Kernaussage des aktuellen Berichts des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zur Entwicklung der Lagerbestände und Anbauflächen von Baumwolle, Weizen, Mais und Sojabohnen. Für die Agrarmärkte ist der Bericht von großer Bedeutung, schließlich sind die USA der wichtigste Exporteur dieser Rohstoffe. Die Positionierung der amerikanischen Produzenten nimmt häufig entscheidend Einfluss auf die zukünftige Preisentwicklung.

In der Regel enthalten die entsprechenden USDA-Berichte wenig Überraschungen, schließlich folgt das Anbauverhalten der Landwirte häufig ähnlichen Mustern. Umso stärker der Preis für ein bestimmtes Produkt wie beispielsweise Baumwolle im Vergleich zu anderen Produkten in der vergangenen Pflanzperiode gestiegen ist, umso höher fällt der Anreiz aus, zukünftig mehr davon zu produzieren. Dieses Ziel lässt sich entweder durch eine Ausweitung der Anbauflächen, oder durch eine intensivere Bewirtschaftung erreichen. Kommt es zu größeren Veränderungen, führt dies beinahe unweigerlich zu Bewegungen der entsprechenden Terminnotierungen. Schließlich handelt es sich um eine wichtige Stellschraube des zukünftigen Angebots. Um die Veränderung der Anbauflächen abschätzen zu können, befragt das Landwirtschafts-ministerium jedes Jahr im Vorfeld der Aussaat mehr als 85.000 Produzenten. Die Ergebnisse sollen an dieser Stelle kurz vorgestellt werden. Baumwolle Bezogen auf die Entwicklung der Anbauflächen heißt der diesjährige USFavorit eindeutig Baumwolle. Schließlich haben sich die Notierungen an den Terminbörsen im vergangenen Jahr beinahe verdoppelt. Auf etwa 10,5 Millionen Acre (1 Acre entspricht ca. 4.046 qm) schätzt das USDA die Anbaufläche des laufenden Jahres, was einer Steigerung um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert entspricht. Das ist der stärkste Anstieg seit 1995, die Prognosen der meisten Analysten wurden klar übertroffen. Auch in vielen anderen Ländern nutzen Produzenten die Gunst der Stunde, um deutlich mehr Baumwolle anzubauen. Die USA sind in Folge hoher staatlicher Subventionen der größte Exporteur weltweit, gefolgt von Indien, Brasilien, Usbekistan und Australien. Eine mittelfristige Fortsetzung des ausgeprägten Aufwärtstrends der Notierungen erscheint in diesem Licht zunehmend unwahrscheinlicher, schließlich ist eine sehr gute Ernte zu erwarten. Das „International Cotton Advisory Committee“ (ICAC) rechnet mit einer Steigerung um mehr als 10 Prozent auf 24,4 Millionen Tonnen. Weizen & Mais Die Aussichten für Mais werden von den US-Landwir ten offenbar verhalten positiv eingeschätzt . Die Anbauflächen sollen voraussichtlich um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 88,8 Millionen Acre ausgeweitet werde n . Die Aus weitung erfolgt p rimär durch eine deutliche Reduzierung des Weizenanbaus zu Gunsten von Mais. Die Weizenrekordernte des vergangenen Jahres sorgt weiterhin für reichliches Angebot auf dem Weltmarkt, die Lagerbestände steigen kontinuierlich an. Mit 1,53 Milliarden Büschel verzeichnen die Weizenvorräte in den USA eine Steigerung um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dagegen sind die Maisvorräte „nur“ um 11 Prozent auf 7,69 Milliarden Büschel angestiegen. Entsprechend verhalten präsentieren sich die Aussichten für Weizen, was die relative Attraktivität von Mais als Anbaualternative erhöht. Zudem entwickelt sich der Erdölpreis vorteilhaft für Maisproduzenten, da die Weiterverarbeitung zu Ethanol mit steigenden Ölpreisen zunehmend lukrativer wird. Trotz der zuletzt recht schwachen Entwicklung der Maisnotierungen scheinen die Landwirte auf einen zukünftigen Aufschwung zu setzen. Weizen bleibt dagegen das Sorgenkind der Agrarrohstoffe, die Anbaufläche wird schätzungsweise um 9 Prozent auf 53,8 Millionen Acre sinken. Sojabohnen Anhaltend optimistisch scheinen die Landwirte gegenüber Sojabohnen eingestellt zu sein. Zwar ist auf prozentualer Basis lediglich ein Zuwachs um 0,8 Prozent auf 78,1 Millionen Acre zu erwarten, allerdings würde es sich dabei um den höchsten jemals in den USA verzeichneten Wert handeln. Rückenwind erhalten die Produzenten vor allem durch die anhaltende Exportdynamik. Die hohe Nachfrage lässt sich auch an der Entwicklung der Vorräte ablesen, die mit 1,27 Milliarden Büschel um 2 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen. Wegen der scheinbar günstigen Ausgangslage stehen auch in anderen wichtigen Produzentenländern wie Brasilien und Argentinien Produktionsausweitungen an. Nicht zuletzt dank guter meteorologischer Bedingungen könnte die Ernte nach Schätzungen des USDSA um mehr als ein Drittel über dem Vorjahresstand liegen. Offenbar hoffen die Produzenten auf eine anhaltend starke Nachfrage aus China, das die weltweite Spitzenposition beim Verbrauch einnimmt. Am Terminmarkt haben die Aussichten auf eine Rekordernte bereits Spuren hinterlassen: Seit Jahresanfang sind die Notierungen um rund 10 Prozent gefallen.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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