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Veröffentlicht von Börsenwerte IF Verlag GmbH am 01.03.2022

Eine exklusive Leseprobe des Börsenbriefs der Ausgabe vom 01.03.2022:

Börsenbrief Aktien-Spezialwerte
Aktien-Spezialwerte

Börsenwerte IF Verlag GmbH - veröffentlicht diesen Börsenbrief seit seit 2006

adesso übertrifft Prognose deutlich

Der Aktienmarkt zeigte sich in den vergangenen zwei Wochen im Zuge grassierender Ängste rund um die Ukraine-Krise schwach und verlor im 14-Tage-Vergleich deutlich. Klar abkoppeln konnte sich davon die adesso-Aktie, die in den letzten zwei Wochen um stolze 11,3% zulegte, wozu jede Menge positiver Neuigkeiten beitrugen, vor allem die vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2021.

Der Aktienmarkt zeigte sich in den vergangenen zwei Wochen im Zuge grassierender Ängste rund um die Ukraine-Krise schwach und verlor im 14-Tage-Vergleich deutlich. Klar abkoppeln konnte sich davon die adesso-Aktie, die in den letzten zwei Wochen um stolze 11,3% zulegte, wozu jede Menge positiver Neuigkeiten beitrugen, vor allem die vorläufigen Zahlen zum Geschäftsjahr 2021. adesso gelang im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 29% auf rund 677 Mio. Euro (Vorjahr: 523,4 Mio.) und ein EBITDAZuwachs von rund 69% auf ca. 102 Mio. Euro (Vorjahr: 60,4 Mio.). Zwar war in dem extrem starken Ergebnis auch ein einmaliger positiver Sondereffekt in Höhe von rund 18 Mio. Euro aus dem Verkauf der e-Spirit Group enthalten, aber selbst unter Herausrechnug dieses Sondererlöses konnte das EBITDA noch überproportional um 39% auf 84 Mio. Euro verbessert werden. Damit erreichte die EBITDA-Marge (vor Sondereffekt) 12,4% (2020: 11,5%) und das obere Ende des zuletzt kommunizierten Zielkorridors.

Nachdem schon jeweils in den drei Vorjahren die EBITDA-Marge gesteigert werden konnte, zeigt der Margentrend damit weiter klar nach oben. Bezüglich der extrem starken Vorabzahlen für 2021 geben wir zu bedenken, dass adesso das Jahr 2021 ursprünglich mit einer Jahresprognose für den Umsatz von über 600 Mio. Euro sowie für das EBITDA von über 72 Mio. Euro startete. Durch den Verkauf der e-Spirit Group im Frühjahr 2021 konnte trotz der entsprechend wegfallenden Umsätze das Umsatzziel beibehalten, das EBITDA-Ziel wegen des Verkaufsgewinns aber auf über 89 Mio. Euro angehoben werden. Nach den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres wurde die Prognose dann auf einen Umsatz von über 630 Mio. Euro und ein EBITDA von über 95 Mio. Euro erhöht, was sich zuletzt erneut als zu konservativ herausstellte. Erfreulicherweise lief trotz der anhaltenden Einschränkungen im Rahmen der Corona-Pandemie das Geschäft mit IT-Services in nahezu allen Gesellschaften der Gruppe vor allem im Schlussquartal sehr stark. Wie adesso vermeldete, hätten insbesondere auch die 2020 und unterjährig 2021 akquirierten Gesellschaften zur Margenverbesserung beigetragen. Zusammen mit signifikanten Lizenzerlösen im Jahresendgeschäft mit der Versicherungslösung in|sure trug dies zu einem überproportionalen Ergebnisanstieg im Schlussquartal bei. Während das Q4/2020 noch ein EBITDA von 13,3 Mio. Euro brachte, zog das EBITDA im Schlussquartal 2021 um rund 56% auf 20,8 Mio. Euro an. Auf einen 2022er Ausblick müssen sich die Aktionäre allerdings noch etwas gedulden. Eine Guidance erwarten wir spätestens mit der Veröffentlichung des 2021er Geschäftsberichts am 29. März.

Die vorläufigen 2021er Zahlen lagen klar über unseren wie auch den Erwartungen des Marktes, so dass die gute Performance der Aktie inmitten der jüngsten Marktverwerfungen durchaus verständlich ist. Die Analysten von Kepler Chevreux bestätigten ihre Kaufempfehlung in der vergangenen Woche und hoben ihr Kursziel für die Aktie von 228 Euro auf 236 Euro an. Der Blick auf die Bewertung der Aktie zeigt zwar kein Schnäppchenniveau mehr an, aber überteuert ist die Aktie ebenfalls nicht. Aktuell erwartet der Analystenkonsens für 2022 einen Anstieg der Umsätze um 14,9% auf 778 Mio. Euro und ein Plus des bereinigten EBITDA auf 93,7 Mio. Euro. 2023 sollen die Umsätze dann weiter um 14,5% auf 891 Mio. Euro und das EBITDA auf 107 Mio. Euro steigen. Auf dieser Basis erscheint uns der aktuelle Börsenwert von 1,33 Mrd. Euro alles andere als überzogen. Das gilt vor allem, wenn der langfristig intakte Wachstumstrend, das wenig kapitalintensive und Cashflow-starke Geschäftsmodell, die gesunden Bilanzrelationen sowie die weiteren Entwicklungspotenziale bedacht werden. adesso ist ein waschechtes Wachstumsunternehmen, das in den letzten fünf Jahren ein jährliches durchschnittliches Umsatzwachstum von 21% generieren und dabei das bereinigte EBITDA um jährlich durchschnittlich rund 29% steigern konnte. Das dürfte in den kommenden Jahren zwar nicht in dem Tempo weitergehen, aber auch spürbar niedrigere Wachstumsraten würden noch höhere Börsenbewertungen rechtfertigen.

Besondere Wachstums- und Ergebnischancen würden sich unseres Erachtens aus der Unterzeichnung eines großen Lizenzvertrags im Bereich Versicherungen, bedeutenden Akquisitionen sowie aus dem für 2022 anvisierten ersten Pilotkunden für die Einführung einer neuen Kernbankensoftware im Rahmen der Kooperation mit Asseco (wir berichteten) ergeben. Aber auch ein am Dienstag dieser Woche gemeldeter Wachstumsschritt zu Stärkung der Aufstellung in der Automotive-Branche bietet langfristig noch einige Potenziale. So stockte adesso als Entwicklungspartner die Beteiligung an der material.one AG (bislang: logsolut AG) im Rahmen einer Kapitalerhöhung von 30% auf 53,4% auf und wurde so zum Mehrheitseigner des vielversprechenden Plattformanbieters. Hintergrund ist der Produktlaunch für die produzierende Industrie mit dem ersten Großkunden Mercedes-Benz. material.one unterstützt die Digitalisierung in der Fertigungsindustrie entlang eines globalen Lieferkettenmanagements. Mercedes-Benz ist bereits von der Lösung überzeugt und stellt bis 2023 sämtliche Bemusterungen in seinen Aufbauwerken auf material.one um. Bereits seit Herbst letzten Jahres ist die Plattform dort im Einsatz und dient als zentrales Bindeglied zwischen den Mercedes-Benz-Werken und allen Prozessbeteiligten wie Lieferanten und Sublieferanten sowie Prüflaboren. Inzwischen haben auch weitere große Hersteller Validierungsprojekte gestartet. Daher stehen die Chancen gut, dass material.one das Produktgeschäft von adesso in der AutomotiveBranche deutlich nach vorne bringt. Alles in allem trauen wir dem Digitalisierungsgewinner adesso zu, auch in den kommenden Jahren weiter deutlich über dem Branchenschnitt zu wachsen und die Ergebnisse überproportional zu steigern.

Die Aktie bleibt eine hervorragende Langfristanlage und ist in Schwächephasen kaufenswert.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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