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Veröffentlicht von Redaktion am 14.01.2017

Börsenbriefe hautnah: 15 Fragen an Ulrich W. Hanke von boersianer.info

Börsenbriefe hautnah: 15 Fragen an Ulrich W. Hanke von boersianer.info

In unserer Interview-Reihe „Börsenbriefe hautnah: Verleger im Interview“ stellen wir Redakteuren und Herausgebern von Börsenbriefen 15 Fragen zu ihrem beruflichen und privaten Umwelt und möchten so einen Einblick hinter die Kulissen geben. In diesem Interview Ulrich W. Hanke von boersianer.info.

Wieso und bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee einen Börsenbrief herauszugeben?

Nach der Veröffentlichung meines Buches „Börsenstars und ihre Erfolgsrezepte“ war mir klar, die Idee eines Börsenbriefes in die Tat umzusetzen. So biete ich Abonnenten nun die Möglichkeit, ihr Geld wie die erfolgreichsten Investoren der Welt anzulegen, oder genauer gesagt, so, wie ich deren Anlagestrategien interpretiere. Meine zwölf Börsenstars sind: Graham, Buffett, O’Higgins, Greenblatt, Neff, Lynch, Fisher, O’Neil, O’Shaughnessy, Zweig, Dreman und Gallea. 

Wie wichtig ist Ihnen der persönliche Kontakt zu Ihren Lesern?

Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig, nicht zuletzt stehe ich ja im Dienste der zahlenden Leser und möchte auch nicht falsch verstanden werden, sollte einmal etwas unklar sein. Abonnenten können mir deshalb jederzeit Fragen zu den Wertpapieren und Themen aus meinem Börsenbrief stellen. Der größtmögliche Nutzwert für meine Leser ist mein Hauptanliegen. Ich hoffe mal, so denken alle Börsenbrief-Herausgeber.

Was für eine Art Trader sind Sie? Wie finden Sie für Ihre Kunden die besten Anlagemöglichkeiten?

Ich bin ein Investor, kein Trader. Der Begriff Trading ist für mich negativ belegt. Denken Sie nur einmal an Daytrading – damit verdient niemand Geld! Oder denken Sie an die Börsenweisheit: „Hin und Her macht Taschen leer.“ Ich orientiere mich an den erfolgreichsten Investoren der Welt. Diese Börsenstars und ihre Erfolgsrezepte zu kopieren, ist meiner Meinung nach der einzige Weg, um an der Börse dauerhaft erfolgreich zu sein. 

Was motiviert Sie Tag für Tag? Was bedeutet es Ihnen, einen Börsenbrief zu veröffentlichen?

Natürlich motiviert mich die steigende Abonnentenzahl Tag für Tag; wer anderes behauptet, der ist nicht ehrlich. Auf Wochenbasis motiviert mich in der Regel auch die Wertentwicklung meiner Musterdepots und Anlageempfehlungen – absolut, wie auch im Verhältnis zum Vergleichsindex, die oft ihresgleichen sucht. Darauf angesprochen wurde mir auch schon nahegelegt, doch einen Fonds aufzulegen, was ich für die ferne Zukunft nicht ausschließen will.
 
Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie keinen Börsenbrief veröffentlichen würden?

Ich würde vermutlich einen Börsenbrief starten. Es könnte aber auch sein, dass ich einfach nur Geld verwalte, ohne darüber zu schreiben. Etwas anderes kommt für mich aber nicht infrage. Meine Liebe zur Börse geht sogar soweit, dass ich in meiner Freizeit Börsenbücher lese oder mich mit historischen Wertpapieren beschäftige.

„Geld schläft nicht“ - Wie verbinden Sie das Berufliche mit dem Privaten?

Für mich impliziert der Satz „Geld schläft nicht“, Anleger dürften kein Auge zu machen. Das ist natürlich vollkommender Quatsch. Ich rate sogar dazu, sich nur einmal die Woche mit der Börse zu beschäftigen, wenn es nicht gerade sehr turbulent zugeht. Da ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht habe, gibt es eigentlich keine Trennung zwischen Beruflichem und Privatem.

Wie sieht Ihr Arbeitstag als Börsenbrief-Herausgeber aus?

Jeder Tag sieht anders aus. Routine gibt es nur vor Börsenstart, da schaue ich bereits auf den X-Dax und nach Asien, checke die Nachrichtenlage und entwickle erste Investmentideen. Dann kann es beispielsweise sein, dass ich in der Recherche versinke oder auch für ein TV-Interview nach Frankfurt fahre. Wichtig: Das reine Aufschreiben meiner Gedanken ist nur der letzte Arbeitsschritt. Das Aufspüren von guten Aktien und das Überprüfen der Titel beansprucht die meiste Zeit.

Welche "Megatrends" sehen Sie für die nächsten 5-10 Jahre und welche Geheimtipps können Sie uns hier verraten?

Von Megatrends und Geheimtipps halte ich gar nichts! Geheimtipps gibt es nicht. Und Megatrends nutzen eher Finanzdienstleister für ihre Werbung aus, als dass sie einem Anleger nutzen könnten, zumal sie so groß sind, dass sie ohnehin jedem Anleger bekannt sind. Wo soll da noch der Informationsvorteil liegen? Also: Finger weg von reinen Story-getriebenen Investments und vermeintlichen Geheimtipps!

Welche Voraussetzungen braucht man um als Trader langfristig erfolgreich zu sein?

Da ist wieder das Wort Trader... Das passt so gar nicht mit den Worten langfristig und erfolgreich zusammen. Benjamin Graham sagte einmal, die oberste Tugend sei Geduld. Dem schließe ich mich gerne an. Es gehört aber noch viel mehr dazu. Vielleicht am wichtigsten ist: Rational und nicht emotional zu agieren.

Ein Treffen mit dem Bundesfinanzminister – was wünschen Sie sich für den Finanzplatz Deutschland?

Ganz klar: Die Abschaffung der Abgeltungsteuer und die Einführung einer Deutschland-Rente, eine Art staatlicher Aktienfonds für alle, anstelle von sinnlosen Altersvorsorgeprogrammen wie Riester oder Rürup. Und natürlich wünsche ich mir mehr Finanz-Sachverstand bei Politikern aller Parteien. Aktien, Banken und Kapitalismus in einen Topf zu werfen und für böse zu befinden, ist viel zu kurz und einseitig gedacht. Aber leider befinden wir uns ja im postfaktischen Zeitalter...

Ausnahmsweise dürfen Sie mit uns eine Zeitreise unternehmen, in welches Zeitalter reisen Sie?

Schwierige Frage. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, zu wissen, was die Zukunft bringen wird. Auf der anderen Seite finde ich auch die jüngere Vergangenheit spannend. Nicht ohne Grund sammle ich historische Wertpapiere. Wenn ich mich entscheidenden müsste, dann aber vermutlich doch für die Zukunft. Die Geschichte kenne ich nur zu gut, die Zukunft lässt sich ja vermutlich noch beeinflussen.

Mit welcher Persönlichkeit würden Sie gerne mal einen Kaffee oder ein Bier trinken?

Viele Investoren meines Schlages würden sicherlich spontan Warren Buffett nennen, der ja einmal im Jahr ein Dinner mit sich versteigert. Doch dabei bringt Buffett wohl oft nur die immer gleichen Sprüche. Im Sinne der eben angesprochenen Zeitreise würden mich eher verstorbene Börsenstars wie Benjamin Graham und Martin Zweig interessieren. Unter den Lebenden würde ich gern mal ein Bier mit Peter Lynch trinken. Mit Michael O’Higgins, mit dem ich in gutem Kontakt stehe, mache ich das sicher irgendwann einmal, wenn ich nach Florida komme.

Wie verbringen Sie einen schönen freien Tag am Wochenende?

Ich lasse den Computer und das Smartphone ausgeschaltet – das kann ich nur jedem empfehlen. Dann widme ich mich ganz meiner Familie – vierbeinige Familienmitglieder eingeschlossen. Leider kommt das viel zu selten vor, denn wer einen sehr guten Börsenbrief herausgeben will, der arbeitet oft auch am Wochenende. Ich habe mich beispielsweise ganz bewusst dafür entschieden, mit Freitagsschlusskursen von 22 Uhr zu arbeiten und meinen Brief jeden zweiten Samstag herauszugeben – als Service für meine Abonnenten.

Welche Literatur empfehlen Sie Einsteigern und Fortgeschrittenen über die Finanz- und Börsenwelt?

Es sei mir vergönnt, als allererstes mein eigenes Buch „Börsenstars und ihre Erfolgsrezepte“ zu nennen. Als das Buch zum Börsenbrief dient es als eine Art Basis für meinen Börsenbrief – das gibt es auch nicht überall. Zur Standardliteratur sollte ferner Grahams „Intelligent Investieren“ gehören, aber auch die Bücher von Lynch, Zweig, O’Shaughnessy, Greenblatt und „Buffettology“ über Buffett.

Welche Börsenweisheit geben Sie unseren Lesern mit auf den Weg?

„The trend is your friend.“ Aber folgen Sie dem Aufwärtstrend einer Aktie nur, wenn die Aktie noch günstig bewertet ist und das Gesamtumfeld stimmt.

Zur Person Ulrich W. Hanke:

Börsenstratege Ulrich W. Hanke ist Herausgeber von boersianer.info – Hankes Börsenbrief. Sein Buch zum Börsenbrief: „Börsenstars und ihre Erfolgsrezepte“. Der ehemalige Finanzredakteur (u. a. bei der WirtschaftsWoche) kombiniert Trendfolge und Value-Investing und ist damit überaus erfolgreich. Kapitalmarktstratege Hanke ist Diplom-Betriebswirt und kam 1977 in Frankfurt am Main zur Welt. Mehr unter: www.boersianer.info und natürlich auf der boersianer.info-Seite von Lettertest.de.

Der obige Artikel stellt die Meinung des genannten Autors und/oder der genannten Börsenbrief-Redaktion dar und ist als unverbindliche Information anzusehen und keine Anlageempfehlung.


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